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		<title>Geschichte der Schrift</title>
		<description><![CDATA[]]></description>
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			<title>Einleitung</title>
			<link>https://www.typovia.at/index.php/typografie/geschichte-der-schrift/50-einleitung</link>
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			<description><![CDATA[<p><strong>Schriftsysteme der Welt und deren ungef&auml;hre Entstehungszeit im &Uuml;berblick.</strong></p>
<p><a href="https://www.typovia.at/images/typo/schriftsysteme-world.svg" target="_blank" class="highslide" title="Schriftsysteme" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Schriftsysteme der Welt und deren ungef&auml;hre Entstehungszeit im &Uuml;berblick. Nach: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band IIIa: Schrift. W. Seipel (Hrsg.). Wien, 2003: 10f.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/schriftsysteme-2k.png" alt="Schriftsysteme" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Schriftsysteme" /></a></p>
<p><a href="https://www.typovia.at/images/typo/schriftsysteme.svg" target="_blank" class="highslide" title="Schriftsysteme und ihre Enstehungszeit" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Schriftsysteme der Welt und deren ungef&auml;hre Entstehungszeit im &Uuml;berblick. Nach: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band IIIa: Schrift. W. Seipel (Hrsg.). Wien, 2003: 10f.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/schriftsysteme-1k.png" alt="Schriftsysteme" title="Schriftsysteme und ihre Enstehungszeit" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Mensch will die ihn umgebende Welt verstehen k&ouml;nnen. Das Verstehen f&uuml;hrt zu Klassifizieren und Kategorisieren. Als Gemeinschaftswesen versucht der Mensch seine Erkenntnisse den Anderen mitzuteilen.</p>
<p>Kommunikation dient dem Austausch der gesammelten Erfahrung; die eigenen Erfahrungswerte werden durch die Erkenntnisse des Anderen erg&auml;nzt und gegebenenfalls korrigiert. Das kollektive Wissen w&auml;chst und wird an die n&auml;chste Generation weitergegeben.</p>
<p>Das &bdquo;Kommunizieren&ldquo; (lat. &sbquo;communis&lsquo; = gemeinsam) begleitet den Menschen seit seinen Anf&auml;ngen bis in die Gegenwart. Egal, ob es sich bei dem &bdquo;Mitteilen &ndash; Wollen&ldquo; um &uuml;bersinnliche oder nat&uuml;rliche Ph&auml;nomene handelt &ndash; der homo sapiens versucht alles zu begreifen und zu erkl&auml;ren. Nur so glaubt er die Dinge beherrschen zu k&ouml;nnen.</p>
<p>Das Ph&auml;nomen der Genese der Sprache eines Individuums wird seit dem 18. Jahrhundert im universit&auml;ren Rahmen wissenschaftlich untersucht, und immer wieder werden neue Thesen aufgestellt. Die Unterst&uuml;tzung der Linguistik durch Soziologie, Anthropologie, Psychologie, Neurowissenschaften usw. bringt jedoch keine definitiven Antworten. Die Erkl&auml;rungen bleiben teilweise spekulativ.<sup>1</sup><br /><br />Die Sprache als Ausdruck des Kollektivs ist ebenfalls Gegenstand von Untersuchungen. Generell wird heute die Existenz von weltweit ca. 6.500 Sprachen angenommen.<sup>2</sup> Abgesehen von biblischen bzw. evolutionstheoretischen Ans&auml;tzen bei der Erkl&auml;rung des Ursprungs der Sprache, ist diese Vielfalt auch Thema zahlreicher Spekulationen und Theorien.</p>
<p><a href="https://www.typovia.at/images/typo/H_01_chauvet.png" target="_blank" class="highslide" title="Die H&ouml;hlenmalerei in Chauvet" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Linke Seite der L&ouml;wentafel und eine Nashornherde, Chauveth&ouml;hle, Ard&egrave;chetal, Frankreich, um 25 000-17 000 v. Chr., Pigment auf Kalksteinfels. Aus: Honour H. / Fleming J. (Hrsg.): Weltgeschichte der Kunst, Prestel Verlag M&uuml;nchen: 2007, S 34.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/H_01_chauvetk.png" alt="H 01 chauvetk" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Die H&ouml;hlenmalerei in Chauvet" /></a><a href="https://www.typovia.at/images/typo/H_02_chauvet.png" target="_blank" class="highslide" title="Die H&ouml;hlenmalerei in Chauvet" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Pferde, Nash&ouml;rner und Auerochsen, Chauveth&ouml;hle, Ard&egrave;chetal, Frankreich, um 25 000-17 000 v. Chr., Pigment auf Kalksteinfels. Aus: Honour H. / Fleming J. (Hrsg.): Weltgeschichte der Kunst, Prestel Verlag M&uuml;nchen: 2007, S 34.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/H_02_chauvetk.png" alt="Chauvet" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Die H&ouml;hlenmalerei in Chauvet" /></a>29.000 Jahre v. Chr. entstanden in Chauvet (Region Ard&egrave;che/S&uuml;dfrankreich) die &auml;ltesten bekannten Felsbilder der Welt. Der Mensch war aufgrund seiner mentalen F&auml;higkeiten in der Lage, sowohl naturalistische als auch abstrakte Bilder zu zeichnen. Ob die Verwendung von Zeichen eine religi&ouml;se oder profane Bedeutung hatte, bleibt unklar. Einige Forscher sehen in den Bildern eine geschichtliche Erz&auml;hlung, andere einen Jahreszeitenkalender, andere wiederum entdecken darin ein Jagdritual, in dem das Gezeichnete gleichzeitig das Besiegte (Sicherung der Beute mit Hilfe der Magie) darstellt. Welche Bedeutung haben aber die symbolischen Punktreihen und Strichkonfigurationen? Die Antworten darauf bleiben ebenfalls Spekulation.</p>
<p>&bdquo;In allen traditionellen Kulturen finden wir eine lebendige orale Erz&auml;hltradition mit vielerlei Erz&auml;hlstoffen und -formen. Dort, wo Schrift nicht zu den Ingredienzien des kulturellen Lebens geh&ouml;rt, treffen wir auf eine vielschichtige visuelle Symbolik, die uns in den narrativen Zeichensequenzen von Bilderz&auml;hlungen entgegentritt, beispielsweise in Form von Wandmalereien in den Felsh&ouml;hlen von Ayers Rock in Zentralaustralien, in den rituellen Sandbildern der Navaho in Arizona, im farbigen Perlenschmuck der Zulu in S&uuml;dafrika, dessen Arrangements sowohl den Sozialstatus des Tr&auml;gers bzw. Tr&auml;gerin anzeigen, als auch kommunikative Funktionen besitzen&ldquo;.<sup>3</sup></p>
<p>Auffallend ist, dass in allen Kulturkreisen, unabh&auml;ngig von der Religion und Sprache, der Mensch das Bed&uuml;rfnis hat, sich mit Hilfe von Zeichen mitzuteilen. Diese Symbole werden in festen Materialien (wie Stein, Fels, Knochen usw.) eingepr&auml;gt, um auch nach dem Tod des Autors den kommenden Generationen von seinen Erfahrungen &bdquo;erz&auml;hlen&ldquo; zu k&ouml;nnen. Die Symbole werden bald derma&szlig;en abstrakt, dass die Auslegung ihrer Bedeutung eigener Bev&ouml;lkerungsschichten bedarf.</p>
<p>Von der Abstraktion der Zeichen bis zur Entstehung der Schrift ist der Weg nicht mehr weit.</p>
<p><sup>1</sup> <span class="footnote">Die Darstellung der wichtigsten Thesen in komprimierter Form in: Prinzhorn H. M. und Dressler W. U. &bdquo;Vom Ursprung der Sprache&ldquo;, in: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band II: Sprache,&nbsp; Seipel W. (Hrsg.), Kunsthistorisches Museum Wien, Skira editore Milano: 2003, SS. 107ff.</span></p>
<p><sup>2</sup> <span class="footnote">Zur Problematik des Ursprungs und der Verbreitung der Sprache vgl. Renfrew C., &bdquo;Die Urspr&uuml;nge der linguistischen Vielfalt&ldquo;, in: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band II: Sprache,&nbsp; Seipel W. (Hrsg.), Kunsthistorisches Museum Wien, Skira editore Milano: 2003, SS 23ff.</span></p>
<p><sup>3</sup> <span class="footnote">Haarmann H., &bdquo;Vom Felsbild zum Schriftzeichen&ldquo;, in: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band II: Sprache,&nbsp; Seipel W. (Hrsg.), Kunsthistorisches Museum Wien, Skira editore Milano: 2003, S. 15.</span></p>]]></description>
			<category>Geschichte der Schrift</category>
			<pubDate>Sat, 31 Dec 2016 23:12:47 +0000</pubDate>
		</item>
		<item>
			<title>I. Von den Anfängen bis zum Ursemitischen</title>
			<link>https://www.typovia.at/index.php/typografie/geschichte-der-schrift/52-i-von-den-anfaengen-bis-zum-ursemitischen</link>
			<guid isPermaLink="true">https://www.typovia.at/index.php/typografie/geschichte-der-schrift/52-i-von-den-anfaengen-bis-zum-ursemitischen</guid>
			<description><![CDATA[<p><img src="https://www.typovia.at/images/typo/petroglyphs_onegasea.png" alt="petroglyphs onegasea" width="800" height="400" style="display: block; margin-left: auto; margin-right: auto;" /></p>
<hr />
<p>F&uuml;r das Funktionieren einer Kultur mit intaktem sozialen und kulturellen Umfeld ist die Schrift keine Voraussetzung, wie die Untersuchungen des Kleinvolkes Etoro in Papua-Neuguinea beweisen. Trotzdem werden diese Kulturen von Menschen der Literalit&auml;t un&uuml;berlegt als &bdquo;primitiv&ldquo; bezeichnet. Sie verf&uuml;gen jedoch &uuml;ber ein ausgereiftes Symbolik-System, das als Vorg&auml;nger der Schrift angesehen werden kann.<sup>4</sup></p>
<p>W&auml;hrend bei den aus dem Jungpal&auml;olithikum (32.000&ndash;10.000 v. Chr.) stammenden H&ouml;hlenmalereien in Chauvet, Lascaux oder Altamira die Rede von Kunst <sup>5</sup> ist, handelt es sich bei den Petroglyphenfunden am &ouml;stlichen Ufer des Onegasees (Russland), die aus dem Jahr 4.000 v. Chr. stammen, definitiv um Symbolisierung der Zeichen im hohen Grad der Abstraktion. Die Symbole geben nicht die Realit&auml;t wieder, sondern sie &uuml;bernehmen Funktionen: die Festlegung der Position der Sonne, der Sonnwendzeiten, der Jagd, der Riten, der Herdenwanderungen. Die Symbole sind Elemente der Landkarte, des Kalenders oder des Diariums: sie <strong>erz&auml;hlen Geschichten</strong> &uuml;ber das &Uuml;bersinnliche (die Mythen: Gut gegen B&ouml;se, &bdquo;die Gro&szlig;e Mutter&ldquo;), die Gesellschaft und die Umwelt, die von den Eingeweihten (Schamane / Priester) interpretiert werden. Meiner Meinung nach handelt es sich hier um die &bdquo;pre-writing&ldquo; Phase in der Entstehung der Schrift. Aus der gleichen Zeit stammen die Funde der s. g. &bdquo;Vinča-Kultur&ldquo;.</p>
<table border="0">
<tbody>
<tr>
<td><img src="https://www.typovia.at/images/typo/sumerer-kreta-tartaria.png" alt="sumerer-kreta-tartaria" width="290" height="230" /></td>
<td align="left" valign="bottom">
<p>Abb links.:<br />Verbl&uuml;ffende &Auml;hnlichkeit der Zeichen: <br />fr&uuml;hsumerische Zeit (links); <br />Kretisch: Hieroglyphisches System (mitte); <br />Tărtăria (rechts).<sup> 6<br /></sup></p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Die Symbolik ist das Gemeinsame, das die Funde am Balkan (Vinča, um 4.000 v. Chr. &ndash; Gradeshnitsa, 4.000 v. Chr. &ndash; Tărtăria, 3.000 v. Chr.) mit jenen im hellenischen Raum (Knossos) und Nordbabylonien (Jemdet Nasr, um 3000 v. Chr.) verbindet. Diese Funde haben eher mit dem Kultischen und Magischen als mit der Fixierung der Sprache mittels Zeichen zu tun.<sup> 7<br /></sup></p>
<p class="downloadbox"><br /><a href="https://www.typovia.at/images/download/font/GIMBUTAS.zip" title="Vinča Symbol-Font"><img src="https://www.typovia.at/images/site/download_72.png" alt="download 72" width="72" height="72" /></a><br /><a href="https://www.typovia.at/images/download/font/GIMBUTAS.zip" title="Vinča Symbol-Font">Vinča Symbol-Font</a><br /> <span style="font-size: 8pt;">54,2 kB<br /><a href="https://www.typovia.at//images/stories/download/font/GIMBUTAS.zip" title="Vinča Symbol-Font"><br /> </a> Font created <br />by <a href="mailto:sorin_paliga@mac.com">Sorin Paliga</a> of the Department of Slavic Languages and Literature at the University of Bucharest, Romania.<br />Mehr Information: <a href="http://www.omniglot.com/writing/vinca.htm" target="_blank" title="Omniglot Website">Omniglot Website</a></span></p>
<p>Von Schriftsystemen im eigentlichen Sinn (Protoalphabet) spricht die Wissenschaft in Zusammenhang mit den Proto-Keilschriften der Sumerer, der Keilschrift der Akkader, Assyrer und Babylonier, den Hieroglyphen der &Auml;gypter, mit dem Ph&ouml;nizischen (samt Hebr&auml;isch, Aram&auml;isch, Arabisch) und dem Griechischen (vgl. Tabelle &bdquo;Schriftsysteme der Welt und deren ungef&auml;hre Entstehungszeit im &Uuml;berblick&ldquo; <img src="https://www.typovia.at/images/site/puce.gif" alt="puce" width="22" height="12" /><a href="https://www.typovia.at/index.php/typografie/geschichte-der-schrift/50-einleitung">in der Einleitung</a>).</p>
<p><a href="https://www.typovia.at/images/typo/protokeil.png" target="_blank" class="highslide" title="Protokeilschrift der Sumerer" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Protokeilschrift der Sumerer: Kontrakttafel &uuml;ber den Haus- und Feldverkauf, Shuruppak, ca. 2600 v. Chr., Louvre Museum, Paris.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/protokeilk.png" alt="Protokeilschrift" style="margin-right: 6px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Protokeilschrift der Sumerer" /></a><a href="https://www.typovia.at/images/typo/mesopotamien.png" target="_blank" class="highslide" title="Mesopotamien" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Der fruchtbare Halbmond in Babylonien erm&ouml;glichte erst die Entstehung der Hochkulturen.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/mesopotamienk.png" alt="Mesopotamien" style="margin-right: 6px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Mesopotamien" /></a>Als &auml;lteste Schrift der Welt wird im Allgemeinen die Schrift der Sumerer angenommen (3400&ndash;1800 v. Chr.). <br /><br />Aus dieser Proto-Keilschrift entwickelt sich die eigentliche Keilschrift die (ausser der oben genannten) auch die Eblaiter, Elamiter, Hethiter, Hurriter und Urart&auml;er adaptieren.</p>
<p>Nicht die geschichtliche bzw. religi&ouml;se &Uuml;berlieferung oder Wissensweitergabe, sondern die Verwaltung und Wirtschaft sind die Hauptbeweggr&uuml;nde f&uuml;r die rasche Entwicklung dieser Schrift.</p>
<p>Die Sprache der Sumerer gilt als isoliert &ndash; sie ist mit keiner bekannten Sprache verwandt.</p>
<p>Nach dem Aussterben der Sumerer um die Zeitenwende verschwindet jede Kenntnis dieser Schrift; erst der Altorientalist Jules Oppert bezeichnet 1869 die entzifferten Keiltafeln, die nicht zu den drei bekannten Schriften (Akkadisch, Altpersisch und Elamisch) geh&ouml;ren, als &bdquo;Sumerisch&ldquo;. Zur Entzifferung der Keilschrift f&uuml;hrt &ndash; nach den ersten Erfolgen des deutschen Lehrers Georg Grotenfelds &ndash; die s. g. Darius-Inschrift auf einem Felsen bei Behistun (Westiran), die von Sir Henry Rawlinson in den Jahren 1837&ndash;1847 erforscht worden ist.</p>
<p>Eines der ber&uuml;hmtesten Beispiele der babylonischen Keilschrift ist die Gesetzesstele (&bdquo;<a href="http://www.louvre.fr/en/oeuvre-notices/law-code-hammurabi-king-babylon" target="_blank">Codex Hammurabi</a>&ldquo;) des K&ouml;nigs (datiert auf 1792&ndash;1750 v. Chr.), die im Louvre Museum ausgestellt ist. Die Schreibrichtung &auml;ndert sich im Lauf der Geschichte von senkrecht zu waagerecht (von links nach rechts, auch in Spalten); die Zeichen werden im sp&auml;ten III. oder zu Beginn des II. Jahrtausends um 90&deg;&bdquo;gekippt&ldquo;: sie liegen auf dem R&uuml;cken.&nbsp;</p>
<p>Die weitere Entfaltung und Verbreitung der Schrift wird durch den Handel beschleunigt. Es ist unumstritten, dass die Sumerer durch den Handel mit den Hethitern zur Verbreitung der Keilschrift in Anatolien beigetragen haben. Die Hethiter entwickeln eine eigene, neue Schrift, die jedoch mit der sumerisch-babylonischen Keilschrift nicht verwandt ist. <sup>8</sup></p>
<p><a href="https://www.typovia.at/images/typo/hieroglyphe-01.png" target="_blank" class="highslide" title="Die &auml;lteste gefundene Hieroglyphe" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Die &auml;lteste gefundene Hieroglyphe stammt aus dem U-j Grab in Abydos und wird mit der Methode der C-Datierung auf das Jahr 3300 v. Chr. gesch&auml;tzt. &lt;br &gt;&nbsp;&lt;/a&gt;Quelle: Dreyer G., &bdquo;Fr&uuml;he Schriftzeugnisse aus &Auml;gypten&ldquo; &lt;br /&gt;in: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band IIIa: Schrift. W. Seipel (Hrsg.). Wien: Kunsthistorisches Museum Wien, Skira editore Milano 2003. S. 125.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/hieroglyphe-01k.png" alt="Die &auml;lteste gefundene Hieroglyphe" style="margin-right: 6px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Die &auml;lteste gefundene Hieroglyphe" /></a><a href="https://www.typovia.at/images/typo/egypt.png" target="_blank" class="highslide" title="Altes &Auml;gypten" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Altes &Auml;gypten'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/egyptk.png" alt="egyptk" width="200" height="260" style="margin-right: 6px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Altes &Auml;gypten" /></a> Die n&auml;chste gro&szlig;e Etappe in der Schriftentwicklung findet in &Auml;gypten statt. Hier entstehen zu Beginn des dynastischen Reichs (um 3300 v. Chr.) die ersten Hieroglyphen. &Uuml;ber den Ursprung und die Entstehung dieser Schrift wird ger&auml;tselt. Das aus Wort-, Deute- und Lautzeichen bestehende Zeichensystem taucht nahezu vollentwickelt auf. &bdquo;Ein zentral gelenkter, das K&ouml;nigtum legitimierender und durch religi&ouml;se Bezugssysteme transzendierender Hofstaat, in dessen Mittelpunkt der K&ouml;nig stand, bedurfte der Schrift als ordnendes, vergegenw&auml;rtigendes und durch den erinnernden R&uuml;ckverweis legitimierendes Element der Staatsbildung. Und rasch, wenn nicht sogar sofort war die Struktur der vielleicht der Erfindung eines einzelnen Sch&ouml;pfungsaktes zu verdankenden Schrift festgelegt und sollte sich in den n&auml;chsten Jahrtausenden auch nicht mehr &auml;ndern.&ldquo; <sup>9</sup></p>
<p>Neben den Hieroglyphen existierten auch hieratische und demotische Schriftformen. Die langherrschende Behauptung, das Hieratische w&auml;re den Priestern, der Aristokratie und dem Hof vorbehalten, w&auml;hrend die demotische Form dem Volk diene, ist falsch. Die hieratische Schrift existierte schon vor den Hieroglyphen, die demotische erst seit dem fr&uuml;hen VII Jahrhundert v. Chr.; das Volk war keinesfalls schriftkundig, wie der griechische &ndash; von Herodot gegebene &ndash; Name <span class="polytonic" lang="grc">&delta;ῆ&mu;&omicron;&sigmaf;</span> &bdquo;demos&ldquo; (gr. f&uuml;r &sbquo;Volk&lsquo;) zu suggerieren versucht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img src="https://www.typovia.at/images/typo/hieratisch-demotisch.png" alt="hieratisch-demotisch" width="560" height="225" /><sup>10</sup></p>
<p>Die Schreibrichtung der &auml;gyptischen Schrift war urspr&uuml;nglich vertikal in Kolumnen angeordnet, sp&auml;ter grunds&auml;tzlich rechtsl&auml;ufig. Es gibt jedoch ausreichend Beispiele, bei denen die Schrift von rechts nach links, bustrophedonal<sup> 11 </sup>oder vertikal verl&auml;uft. Symmetrie und &Auml;sthetik waren meist die Gr&uuml;nde f&uuml;r die Schriftrichtung, die an der Blickrichtung der Symbole leicht erkennbar ist; manchmal war es der Respekt vor den G&ouml;ttern oder der Anlass.</p>
<p>Das Geheimnisvolle der symbolhaften Zeichen veranlasste viele<sup> 12</sup> Gelehrte und Wissenschafter sich mit der Sprache der alten &Auml;gypter auseinanderzusetzen, um sie zu entziffern.&nbsp; Doch erst dem &Uuml;bersetzer<sup> 13</sup> des Rosetta-Steins ist es zu verdanken, dass die Hieroglyphen im Jahr 1822 durch Fran&ccedil;ois Champollion f&uuml;r die Europ&auml;er so eindeutig entschl&uuml;sselt worden sind.<sup> 14<br /></sup></p>
<p><a href="https://www.typovia.at/images/typo/rosetta_00.png" target="_blank" class="highslide" title="Rosetta Stein im British Museum" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Rosetta Stein im British Museum. 112,3 &times; 75,7 &times; 28,4 cm und immerhin 782 Kilogramm Gewicht..'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/rosetta_00k.png" alt="Thumbnail image" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Rosetta Stein im British Museum" /></a><a href="https://www.typovia.at/images/typo/rosetta_01.png" target="_blank" class="highslide" title="Der Rosetta Stein: ein Teil des Ganzen" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Rosetta Stein: Rekontruktion der urspr&uuml;nglichen Gr&ouml;&szlig;e (nach C. Thorne und R. Parkinson). &lt;br &gt;&nbsp;&lt;/a&gt;Quelle: Seipel W., &bdquo;Zur &auml;gyptischen Schrift &ndash; Struktur und Schriftformen&ldquo; in: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band IIIa: Schrift. W. Seipel (Hrsg.). Wien: Kunsthistorisches Museum Wien, Skira editore Milano 2003. S. 139.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/rosetta_01k.png" alt="Thumbnail image" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Rosette Stein: Rekonsruktionsversuch" /></a>&Auml;gypten wird als der Ursprung des semitischen Konsonantenalphabets angesehen. Die Wadi el-H&ocirc;l Inschriften, die westlich von Theben entdeckt worden sind, werden auf das Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. datiert. Das Uralphabet ist von den Kanaan&auml;ern (Zweig des Nordwestsemitischen) entwickelt worden. Sie haben das in &Auml;gypten parallel zu den Hieroglyphen existierende quasi-alphabetische Schriftsystem zur Wiedergabe von Fremdw&ouml;rtern adaptiert, &bdquo;indem sie den Phonemen ihrer Sprache spezifische Schriftzeichen zuordneten, um dann konsequent nur mit solchen Einkonsonantenzeichen zu schreiben&ldquo; <sup>15</sup></p>
<p>Nach dem akrophonischen Prinzip wurden die ursemitischen Zeichen aus dem Fundus der &auml;gyptischen Hieroglyphen abgeleitet. Die Vokale spielen in dieser Sprache eine andere Funktion, als bei den indoeurop&auml;ischen Sprachen &ndash; sie dienen lediglich der morphologischen Differenzierung der Wortformen.</p>
<p>Die Bedeutung einer Sprachwurzel ist dagegen allein in dem konsonantischen Ger&uuml;st, den Radikalen, grundgelegt. Semiten begn&uuml;gten sich &ndash; wie die &Auml;gypter &ndash; mit der Notierung des konsonantischen oder zentralen Ger&uuml;sts der Sprache und schufen auf diese Wiese das wohl einfachste Schriftsystem &uuml;berhaupt, freilich zu dem Preis der manchmal fehlenden Eindeutigkeit.<sup> 16</sup> Die Vokale in der Form von Punkten bzw. Strichen oberhalb bzw. unterhalb des Zeichenduktus wurden erst in der Mitte des 1. Jahrtausend n. Chr. in ganz bestimmten Textformen eingesetzt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-----</p>
<div id="footnotes_159" class="footnoteholder"><span class="footnote"><sup>4</sup> Mehr dar&uuml;ber bietet z. B. Haarmann H., &bdquo;Vom Felsbild zum Schriftzeichen&ldquo;, in: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band II: Sprache,&nbsp; Seipel W. (Hrsg.), Kunsthistorisches Museum Wien, Skira editore Milano: 2003, S. 15.</span></div>
<div>&nbsp;</div>
<div><sup>5</sup> Parietalkunst von lat. &sbquo;paries&lsquo; = Wand.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><span class="footnote"><sup>6</sup> Nach Hood in: Hiller S., &bdquo;Fr&uuml;he schriftartige Erscheinungen auf dem Balkan&ldquo;, in: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band II: Sprache,&nbsp; Seipel W. (Hrsg.), Kunsthistorisches Museum Wien, Skira editore Milano: 2003, S. 35).</span></div>
<div>&nbsp;</div>
<div><span class="footnote"><sup>7</sup> Eine &Uuml;bersicht &uuml;ber die Ergebnisse der j&uuml;ngsten Balkanforschung in: Hiller S., &bdquo;Fr&uuml;he schriftartige Erscheinungen auf dem Balkan&ldquo;, in: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band II: Sprache,&nbsp; Seipel W. (Hrsg.), Kunsthistorisches Museum Wien, Skira editore Milano: 2003,&nbsp; SS 31&ndash;37.</span></div>
<div>&nbsp;</div>
<div><sup>8</sup> Das Volk kennt und verwendet um 2000 v. Chr. Hieroglyphen auch f&uuml;r Inschriften (Fels, Siegel).</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><sup>9</sup> Seipel W., &bdquo;Zur &auml;gyptischen Schrift &ndash; Struktur und Schriftformen&ldquo; in: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band II: Sprache,&nbsp; Seipel W. (Hrsg.), Kunsthistorisches Museum Wien, Skira editore Milano: 2003, S. 149.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><sup>10</sup> Nach Seipel W., &bdquo;Zur &auml;gyptischen Schrift &ndash; Struktur und Schriftformen&ldquo; in: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band II: Sprache,&nbsp; Seipel W. (Hrsg.), Kunsthistorisches Museum Wien, Skira editore Milano: 2003, S. 152 (Abb. 5 und 6).</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><sup>11</sup> &beta;&omicron;ύ&sigmaf; &sbquo;bous&lsquo; (Ochse) und &sigma;&tau;&rho;έ&phi;&epsilon;&iota;&nu; &sbquo;strephein&lsquo; (wenden) = wie der Ochse pfl&uuml;gt; Die Zeile &auml;ndert am Ende die Richtung: sie verl&auml;uft abwechselnd mal von links nach rechts, dann umgekehrt.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><sup>12</sup> Die wichtigsten Forscher: Horapollo aus Nilopolis (4 Jh. v. Chr.), Giovanni Pierio Valeriano (1477&ndash;1558), Athanasius Kircher (1602&ndash;1680), Georg Zo&euml;ga (1755&ndash;1809).</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><sup>13</sup> Der &Auml;gyptologe Dr. Okasha El Daly vom UCL Institute of Archaeology ver&ouml;ffentlichte im Oktober 2004 (The Observer) die Ergebnisse seiner mehrj&auml;hrigen Untersuchungen. Er behauptet, dass der irakische Alchimist Abu Bakr Ahmad Ibn Wahshiyah bereits im IX. Jahrhundert die Hieroglyphen aufgrund diverser Epigrafen entschl&uuml;sselt haben soll. Die Ergebnisse der Entschl&uuml;sselung wurden 1806 &ndash; 16 Jahre vor den Publikationen Champollions &ndash; von Hammer &uuml;bersetzt und in London ver&ouml;ffentlicht (vgl. dazu &bdquo;<a href="https://www.theguardian.com/uk/2004/oct/03/highereducation.arts" target="_blank">The Guardian</a>&ldquo; 3.10.2004 und&nbsp; <a href="http://archaeoblog.blogspot.com/search?q=Dr.+Okasha+El+Daly" target="_blank">ArchaeoBlog</a>).</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><sup>14</sup> &Uuml;ber die Entschl&uuml;sselungsgeschichte des Rosetta-Steins vgl. Seipel W., &bdquo;Der weite Weg zur Entzifferung der &auml;gyptischen Hieroglyphen&ldquo;, in: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band II: Sprache,&nbsp; Seipel W. (Hrsg.), Kunsthistorisches Museum Wien, Skira editore Milano: 2003, SS 133&ndash;142.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><sup>15</sup> Tropper J., &bdquo;Die Erfindung des Alphabets und seine Ausbreitung im nordwestsemitischen Raum&ldquo;, in: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band II: Sprache,&nbsp; Seipel W. (Hrsg.), Kunsthistorisches Museum Wien, Skira editore Milano: 2003,&nbsp; S. 173.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><sup>16</sup> w. o.: 174.</div>]]></description>
			<category>Geschichte der Schrift</category>
			<pubDate>Sat, 31 Dec 2016 23:44:20 +0000</pubDate>
		</item>
		<item>
			<title>II. Phönizien, Griechenland und antikes Rom</title>
			<link>https://www.typovia.at/index.php/typografie/geschichte-der-schrift/53-ii-phoenizien-griechenland-und-antikes-rom</link>
			<guid isPermaLink="true">https://www.typovia.at/index.php/typografie/geschichte-der-schrift/53-ii-phoenizien-griechenland-und-antikes-rom</guid>
			<description><![CDATA[<table>
<tbody>
<tr>
<td style="width: 220px;">&nbsp;</td>
<td>&nbsp;</td>
<td>
<p><img src="https://www.typovia.at/images/typo/mittelmeer.png" alt="mittelmeer" width="800" height="391" style="float: left;" /></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="width: 220px;">&nbsp;</td>
<td>&nbsp;</td>
<td>
<p>&nbsp;</p>
<p>An der &ouml;stlichen Mittelmeerk&uuml;ste siedelte sich im 2. Jahrtausend v. Chr. ein Seefahrervolk an, das von Homer als &bdquo;Ph&ouml;nizier&ldquo;<sup> 17 </sup>bezeichnet wurde. Die Ph&ouml;nizier selbst bezeichneten sich nach den Namen der St&auml;dte, aus denen sie kamen. Sie entwickelten ein dichtes St&auml;dtenetz entlang der K&uuml;ste der Mittelmeeres, das einen bl&uuml;henden Handel erm&ouml;glichte. Den H&ouml;hepunkt der Entwicklung erlebte Ph&ouml;nizien in den Jahren 1000&ndash;600 v. Chr. Nach der Belagerung von Tyros durch das Heer des babylonischen K&ouml;nigs Nebukadnezar II. im Jahr 573 v. Chr., wird ganz Ph&ouml;nizien etwa 40 Jahre sp&auml;ter Teil des persischen Reiches. Die St&auml;dte werden nach und nach zerst&ouml;rt; nach dem Tod Alexander des Gro&szlig;en im Jahr 323 v. Chr. verliert Ph&ouml;nizien g&auml;nzlich an Bedeutung.Das Volk hat eine semitische Sprache gesprochen und entwickelte aus dem Protokaan&auml;ischen um 1100 v.Chr. ein Schriftsystem, das als Vorl&auml;ufer des griechischen, hebr&auml;ischen und arabischen Alphabets gesehen werden kann. Die Namen der 22 Zeichen tragen semitische Bezeichnungen. Diese (ab 800 v. Chr.) rechtsl&auml;ufige Schrift, die nur Konsonanten und keine Vokale hatte, verbreitete sich im gesamten Mittelmeerraum. Wie und ob sich die Linearschrift A &ndash; die auf Kreta entstand und nicht-griechisch war &ndash; und das ph&ouml;nizische Alphabet gegenseitig beeinflusst haben, ist nach wie vor Gegenstand der Forschung. Die fr&uuml;hesten bekannten Inschriften des ph&ouml;nizischen Alphabets stammen aus Byblos und sind um das Jahr 1000 v. Chr. entstanden.</p>
<p>&nbsp;</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td>&nbsp;<a href="https://www.typovia.at/images/download/font/zozo.zip" title="Phoenician Font"><img src="https://www.typovia.at/images/site/download_72.png" alt="download 72" width="72" height="72" /></a></td>
<td>&nbsp;</td>
<td><a href="https://www.typovia.at/images/download/font/zozo.zip" title="Phoenician Font">Phoenician Font</a>. <br />Font created by Joseph Elias<br />5,21 kBMehr Information:<br /><a href="http://www.omniglot.com/writing/phoenician.htm" target="_blank" title="Omniglot">Omniglot Website</a>&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td><a href="https://www.typovia.at/images/typo/linear-b.png" target="_blank" class="highslide" title="Linearschrift B" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Linearschrift B: Tontafel aus Pylos. National Archaeological Museum in Athen.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/linear-bk.png" alt="Linearschrift B" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Linear B" /></a></td>
<td>&nbsp;</td>
<td>&nbsp;
<p>Einen Zwischenschritt zur Entstehung des griechischen Alphabets bildet die Linearschrift B. Sie gilt als die Silbenschrift der Mykener und wurde vom 15.&ndash;12. Jh. v. Chr. ausgehend von Knossos und Khania auf Kreta und dem griechischen Festland (Pylos, Chania, Mykene, Tiryns und Theben) verwendet.</p>
Die Entzifferung dieser Schrift erfolgte sp&auml;t. Erst im Jahr 1953 schrieb Michael Ventris &ndash; dem nach den Vorbereitungsarbeiten von Arthur Evans und sp&auml;ter Alice Kober der Durchbruch gelang &ndash; seinem Griechisch-Lehrer:<em> &bdquo;leider nicht ganz das Griechisch, das Sie mir beibrachten! Mit besten W&uuml;nschen, Michael&ldquo;.</em><sup> 18</sup></td>
</tr>
<tr>
<td><a href="https://www.typovia.at/images/download/font/linarb10.zip" title="Linear B"><img src="https://www.typovia.at/images/site/download_72.png" alt="download 72" width="72" height="72" /></a></td>
<td>&nbsp;</td>
<td><a href="https://www.typovia.at/images/download/font/linarb10.zip" title="Linear B">Linear B.</a><br />Font created by Curtis Clark<br />34,89 kB</td>
</tr>
<tr>
<td><a href="https://www.typovia.at/images/typo/griechenland-dialekte.png" target="_blank" class="highslide" title="Dialekte der griechischen Sprache" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Sprachdialekte und Ihre Verbreitung im antiken Griechenland.&lt;br &gt;&nbsp;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;a) &lt;strong&gt;Ionisch &lt;/strong&gt;(Eub&ouml;a, zentral&auml;g&auml;ische Inseln, mittlerer Teil der kleinasiatischen K&uuml;ste); &lt;br /&gt;b) &lt;strong&gt;Arkadisch&lt;/strong&gt; (Zentralpeloponnes) und Kyprisch (Zypern); &lt;br /&gt;c) &lt;strong&gt;Dorisch&lt;/strong&gt; (NO, O, S und SW von Peloponnes, s&uuml;dlicher G&uuml;rtel &auml;g&auml;ischer Inseln inkl. Kreta, s&uuml;dlicher Teil der kleinasiatischen Westk&uuml;ste),&lt;br /&gt;d) &lt;strong&gt;Nordwestgriechisch&lt;/strong&gt; (W und N von Peloponnes, Nordwestgriechenland, Ithaka, Kephallenia); &lt;br /&gt;e) &lt;strong&gt;&Auml;olisch&lt;/strong&gt; (&Auml;olien, Troias, Lesbos, n&ouml;rdicher Teil der kleinasiatischen K&uuml;ste).&lt;br /&gt;f) &lt;strong&gt;Attisch&lt;/strong&gt; (Attika samt Athen)&lt;br /&gt;g) &lt;strong&gt;Thessalisch&lt;/strong&gt; (Thessalien)&lt;br /&gt;h)&lt;strong&gt; B&auml;otisch &lt;/strong&gt;(Phokis, Boiotien)'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/griechenland-dialektek.png" alt="Thumbnail image" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Griechisch: Dialekte" /></a></td>
<td>&nbsp;</td>
<td>
<p>Die Entstehung des griechischen Alphabets kann aufgrund der vorhandenen Funde nicht auf ein bestimmtes Datum festgelegt werden. Einige Anhaltspunkte geben Spielraum f&uuml;r Spekulationen und Thesen:</p>
<ul>
<li>die &auml;ltesten im alphabetischen Griechisch geschriebenen Inschriften stammen aus dem Jahr 730 v. Chr.;</li>
<li>es sind keine kaufm&auml;nnischen Dokumente im 200-j&auml;hrigen Zeitraum nach der Erfindung des Alphabets vorhanden;</li>
<li>als die Linearschrift B um 1200 v. Chr. verschwunden ist, haben die Griechen ihre Kenntnis des Schreibens verloren;</li>
<li>die Griechen kennen drei Schreibrichtungen: linksl&auml;ufig, rechtsl&auml;ufig und bustrophedonal, w&auml;hrend die Ph&ouml;nizier seit dem 800 Jh. v. Chr. nur linksl&auml;ufig schreiben &ndash; die Griechen haben m&ouml;glicherweise eine fr&uuml;he ph&ouml;nizische Schrift &uuml;bernommen, bei der keine Schreibrichtung festgelegt war. Das w&uuml;rde die Entstehung des griechischen Alphabets in den Zeitraum 1100&ndash;800 v. Chr. ansiedeln.</li>
</ul>
</td>
</tr>
<tr>
<td>&nbsp;</td>
<td>&nbsp;</td>
<td>
<p>Die Entwicklung der griechischen Sprache umfasst drei Epochen:</p>
<ol style="list-style-type: lower-alpha;">
<li><strong>Mykenisches Griechisch.</strong> 2. Jahrtausend v. Chr. Geschrieben wird ausschlie&szlig;lich mit der Silbenschrift Linear B. Das Ende der Epoche erfolgt um 1200 v. Chr. Danach besteht eine L&uuml;cke in der Schriftlichkeit bis ins 8. Jh. v. Chr. (Alphabet&uuml;bernahme).</li>
<li><strong>Alphabetisches Griechisch</strong> der archaischen (bis 470 v. Chr.), klassischen (470&ndash;320 v. Chr.), hellenistischen (320&ndash;31 v. Chr.) Zeit und der Kaiserzeit (bis Byzanz). Das Alphabet wird von den Ph&ouml;niziern &uuml;bernommen und um einige Vokale erg&auml;nzt. Ab ca. 400 v. Chr. wird im gesamten griechischen Reich das ostionische Alphabet verwendet.</li>
<li><strong>Mittel- und Neugriechisch.</strong> Die heutige Schriftsprache hei&szlig;t &delta;&eta;&mu;&omicron;&tau;&iota;&kappa;ή &sbquo;demotike&lsquo;.</li>
</ol>
<p>Aus dem Ursemitischen entwickelten sich also im Lauf der Jahre die ph&ouml;nizische, die hebr&auml;ische, die arabische und die aram&auml;ische Schrift. Sp&auml;ter, irgendwann zwischen 1200&ndash;800 v. Chr., &uuml;bernahmen die Griechen das Konsonantensystem der Ph&ouml;nizier. Der gro&szlig;e Verdienst der Griechen war die Erg&auml;nzung des Alphabets mit Vokalen, die als gleichwertige Zeichen notiert wurden. Jene Zeichen des Semitischen, f&uuml;r die es keine Entsprechung im Griechischen gab, wurden zu Vokalen umfunktioniert. Bis zum Jahr 900 n. Chr. war das griechische Alphabet ein Majuskelalphabet.</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td><a href="https://www.typovia.at/images/typo/italia.png" target="_blank" id="antikes Italien" class="highslide" title="V&ouml;lker antiken Italiens und ihre Einflussgebiete" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'V&ouml;lker der archaischen italienischen Halbinsel und ihre Einflussgebiete.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/italiak.png" alt="Thumbnail image" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="antikes Italien" /></a></td>
<td>&nbsp;</td>
<td>
<p>Griechenland expandiert ab etwa 800 v. Chr. im gesamten Mittelmeergebiet. Als Gr&uuml;nde daf&uuml;r werden sowohl Rohstoff- und Nahrungsmittelknappheit als auch Gruppeneinfl&uuml;sse und -k&auml;mpfe vermutet. Den Emigranten &ndash; unter der Leitung der Expeditionsspezialisten (&omicron;ἰ&kappa;&iota;&sigma;&tau;ή&sigmaf; &sbquo;Oikistes&lsquo;) &ndash; wurden Vorr&auml;te und Mittel f&uuml;r die Gr&uuml;ndung einer neuen Kolonie zur Verf&uuml;gung gestellt.</p>
<p>Die Griechen siedeln sich vorwiegend am unterem Rand der italienischen Halbinsel und auf Sizilien an. Die Kolonien und ihre Einwohner sind so zahlreich, dass dieses Gebiet die Bezeichnung &bdquo;Magna Gr&aelig;cia&ldquo; (&Mu;&epsilon;&gamma;ά&lambda;&eta; ῾&Epsilon;&lambda;&lambda;ά&sigmaf; &sbquo;Megale Hellas&lsquo; = Gro&szlig;griechenland) erh&auml;lt. Die Griechen bringen auf die Halbinsel nicht nur ihr relativ neues Alphabet, sondern auch ihre fortgeschrittene Kultur (darunter die Werke Homers, die wahrscheinlich in den Jahren 850&ndash;750 v. Chr. enstanden sind).</p>
<p>Das archaisches Italien ist von verschiedenen V&ouml;lkern besiedelt, von denen die Etrusker und Latiner am weitesten entwickelt waren. Die Schrift der Griechen, die die hebr&auml;ischen Alphabetzeichen in ihr Zeichensystem &uuml;bernommen haben, diente wiederum den Latinern &ndash; neben der etruskischen Schrift &ndash; bei der Formung der lateinischen Buchstaben. Die Zeichen G, J, U, W und Y wurden urspr&uuml;nglich nicht ben&ouml;tigt.<sup> 19<br /></sup></p>
<p>Die Lateinische Sprache, die als Fr&uuml;hlatein von den Latinern seit dem 8 Jh. v. Chr. gesprochen wurde, entwickelte sich im Imperium Romanum zur Amtssprache (klassisches Latein). Zum Zeitpunkt der gr&ouml;&szlig;ten Ausdehnung des R&ouml;mischen Reiches im Jahr 117 n. Chr. unter Kaiser Trajan ist Latein die Muttersprache der ans&auml;ssigen Bev&ouml;lkerung.</p>
<p>Die Zeichen des lateinischen Alphabets bestehen vorerst nur aus Gro&szlig;buchstaben (Majuskelalphabet). Im antiken Rom entwickeln sich folgende Formen des &bdquo;Abecedariums&ldquo;:</p>
<ol style="list-style-type: lower-alpha;">
<li>die <strong>Capitalis Monumentalis</strong>, meist in Stein gehauen; Die Buchstabenform geht von einem Quadrat aus; die Capitalis kennt weder Wortabst&auml;nde, noch Silbentrennung. Aus diesem Alphabet entwickelte sich die uns bekannte Versalienschrift. Das bekannteste Beispiel f&uuml;r die Majuskelschrift ist die dorische Trajanss&auml;ule aus dem Jahr 113 v. Chr. Auch der <a href="https://www.typovia.at/images/typo/titus.png" target="_blank" class="highslide" title="Titusbogen aus dem Jahr 81 v. Chr." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'SENATUS&lt;br &gt;&nbsp;&lt;/a&gt;POPULUSQUE ROMANUS&lt;br /&gt;DIVO TITO DIVI VESPASIANI F(ILIO)&lt;br /&gt;VESPASIANO AUGUSTO&lt;br /&gt;Der Senat&lt;br /&gt;und das r&ouml;mische Volk (haben diesen Bogen errichtet)&lt;br /&gt;dem verg&ouml;ttlichten Titus Vespasianus Augustus&lt;br /&gt;dem Sohn des verg&ouml;ttlichten Vespasian.'})"><span class="highslide"><span class="highslide">Titusbogen</span></span></a> aus dem Jahr 81 v. Chr. bietet eine gut erhaltene Capitalis Monumentalis.</li>
<li>die <strong>Capitalis Quadrata</strong> leitet ihren Namen von der Form, aus der sich die Buchstaben bilden (Quadrat, Kreis, gleichseitiges Dreieck). Sie wurde f&uuml;r die Prachtb&uuml;cher (<a href="https://www.typovia.at/images/typo/capitalis_quadrata.png" target="_blank" class="highslide" title="Capitalis Quadrata" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Virgil, Georgics, I, 141-156, Manuskriptfragment aus dem sp&auml;ten 5 Jh., Vatikanische Bibliothek.'})">Klassiker-Ausgaben</a>) zwischen dem 1 und 6 Jh. n. Chr. verwendet. Vereinzelt findet man diesen Stil aber auch im 9. Jahrhundert.&nbsp;</li>
<li>die <strong>Capitalis Rustica</strong>, die &bdquo;B&auml;uerliche&ldquo; (&sbquo;rusticus&lsquo; = &bdquo;l&auml;ndlich, b&auml;uerlich&ldquo;), wurde f&uuml;r weniger prunkvolle B&uuml;cher vorwiegend zwischen dem 1. und 5. Jahrhundert n. Chr. verwendet. Sie war durch ihre schmale und kurvige Formgebung f&uuml;r die z&uuml;gige Notation geeigneter als die Quadrata oder Monumenatlis. Aufgrund ihrer Verbreitung und Popularit&auml;t in der Antike wird sie von der Pal&auml;ografie gern auch als <a href="https://www.typovia.at/images/typo/capitalis_rustica.png" target="_blank" class="highslide" title="Capitalis Rustica" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Capitalis Rustica: Leiden, Nordost Frankreich, 9 Jh. n. Chr.'})">kanonisierte Capitalis</a> bezeichnet.</li>
<li>die <strong>&auml;ltere r&ouml;mische Kursiv</strong> ist der Vorl&auml;ufer der Minuskel. In der pal&auml;ografischen Entwicklung zeigt sie erstmals die Drei-Zonen (Ober- und Unterl&auml;ngen), die sp&auml;ter das Merkmal der Minuskel sein werden. Die Capitalis cursiva ist als allt&auml;gliche Gebrauchsschrift vorwiegend f&uuml;r <a href="https://www.typovia.at/images/typo/capitalis_cursiva.png" target="_blank" class="highslide" title="Capitalis cursiva" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Vindolanda Inventory No. 88.949. &lt;br /&amp;gttraces [pe]r A[t-&lt;br &gt;&nbsp;&lt;/a&gt;tonem &middot; decurionem &middot;&lt;br /&gt;misi tibi &middot; te &middot; rogo &middot; fra-&lt;br /&gt;ter &middot; continuo &middot; illos &middot; expun-&lt;br /&gt;gas et &middot; nulli &middot; ali &middot; quam&lt;br /&gt;&bdquo;... I have sent you ... through (?) Atto the decurion. I ask, brother, that you immediately strike them off the list. And no others .... have received. I ask that you send that same (?) Atto back to me. (2nd hand) It is my wish that you enjoy good health, my brother and lord. (Back, 1st hand) To ... prefect, from Celonius Iustus, his colleague.&ldquo; '})">Korrespondenz</a> und Gesch&auml;ftsbriefe zwischen dem 1 und 4 Jh. n. Chr. verwendet worden. Eine interessante Sammlung der r&ouml;mischen Tafeln zeigt das <img src="https://www.typovia.at/images/site/puce.gif" alt="puce" width="22" height="12" /><a href="http://vindolanda.csad.ox.ac.uk" target="_blank" title="Vindolanda Projekt">Vindolanda-Projekt</a> (antikes R&ouml;merlager in Vindolanda b. Newcastle / Norden Englands).</li>
</ol></td>
</tr>
<tr>
<td><a href="https://www.typovia.at/images/typo/imperium-romanum.png" target="_blank" class="highslide" title="Imperium Romanum 117 n. Chr." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Imperium Romanum unter Kaiser Trajan 117 n. Chr. erreichte beachtliche, doch schwer zu kontrollierende  Gr&ouml;&szlig;e'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/imperium-romanumk.png" alt="Imperium Romanum" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Imperium Romanum" /></a></td>
<td>&nbsp;</td>
<td>
<p>Die Herrschaft der R&ouml;mer &uuml;ber die V&ouml;lker des Mittelmeeres trug zur Verbreitung der lateinischen Sprache bei. Die Erhebung des christlichen Glaubens zur Staatsreligion des Imperiums (391 n. Chr.) und die sp&auml;tere Missionierungst&auml;tigkeit der r&ouml;mischen Kirche waren Anlass f&uuml;r die Etablierung von Latein als universelle Sprache. Diese war jedoch abermals den herrschenden Schichten vorbehalten, w&auml;hrend das einfache Volk sich der Landessprache bediente bzw. der Schreibkunst gar nicht m&auml;chtig war (&bdquo;biblia pauperum&ldquo;<sup> 20</sup>).</p>
<p>Die Verbreitung des r&ouml;misch-katholischen Glaubens brachte auch die Verbreitung der Schrift mit sich &ndash; sei es in Form von Manuskripten der Bibel, von staatlichen Urkunden, von p&auml;pstlichen Bullen usw. In Gelehrtenkreisen errang Griechisch gro&szlig;e Bedeutung. Die gro&szlig;en Theologen und Exegeten des Mittelalters bauten ihre Theorien nicht selten auf dem Gedankengut der griechischen Philosophie, Logik, Ethik etc. auf. W&auml;hrend die Gebildeten Lateinisch bzw. Griechisch sprachen und schrieben, war die Volkssprache die Sprache der &bdquo;Heiden&ldquo;.</p>
<p>Die Ausbreitung, der Einfluss und die Bekanntheit der semitischen Sprache in den ersten Jahrhunderten n. Chr. hing damit zusammen, dass die Christen die heiligen Schriften des Volkes Israel als das &bdquo;Alte Testament&ldquo; in ihren Kanon aufgenommen hatten. Zahlreiche &Uuml;bersetzungen dieser Schriften ins Griechische halfen, dass die Sprache nicht in Vergessenheit geriet. Bis heute existiert das s. g. Althebr&auml;isch, die Sprache der Bibel, neben dem modernen Hebrit.</p>
<p>Bedeutende Rolle spielt im Judentum der Talmud, die Diskussion der Mischna und Gemara. Der Talmud besteht aus der m&uuml;ndlichen &Uuml;berlieferung und Auslegung der Zehn Gebote (die Moses auf dem Berg Sinai erhielt), aber auch aus der Sammlung von Gesetzen, Geschichten, Gleichnissen und Erz&auml;hlungen p&auml;dagogisch-ethischen Charakters. Auch die Kabbalah, eine Richtung im j&uuml;dischen Mystizismus, erfreute sich in pr&auml;destinierten Kreisen gro&szlig;er Beliebtheit.</p>
<p>Die Teilung des Imperium Romanum in das westliche und &ouml;stliche Reich (nach dem Tod des Kaisers Theodosius 395 n. Chr.) und der damit eingeleitete Zerfall des Kaisertums sowie die beginnenden V&ouml;lkerwanderungen verwandeln Europa in einen &bdquo;Rangierbahnhof&ldquo; der Sprachen, Dialekte und Alphabete. Europa befindet sich in der staatsbildenden Phase, die noch Jahrhunderte andauert &hellip;</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;-----</p>
<p><sup>17</sup> &Phi;&omicron;ί&nu;&iota;ϰ&epsilon;&sigmaf; &sbquo;Phoinikes&lsquo; = Purpurh&auml;ndler; den Farbstoff haben die Ph&ouml;nizier aus der Purpurschnecke gewonnen &ndash; aus 12.000 Schnecken lie&szlig;en sich 1,5 Gramm des Farbstoffes gewinnen; f&uuml;r ein Kilogramm Wolle wurden 200 Gramm Farbstoff ben&ouml;tigt, das sind drei Kilogramm Dr&uuml;sensaft.</p>
<p><sup>18</sup> Nach: Robinson A., Die Geschichte der Schrift, Albatros Verlag, D&uuml;sseldorf: 2004, S. 119.</p>
<p><sup>19</sup> Der Konsolidierungsprozess des lateinischen Alphabets endet erst im lateinischen Mittelalter. Das Alphabet z&auml;hlte danach 23 Buchstaben. Die Theologen sahen im kirchlichen Latein die Vollendung der beiden Testamente: des Alten (Hebr&auml;isch hat 22 Glyphen) und des Neuen (Griechisch hat 24 Glyphen). Im modernen lateinischen Alphabet sind die Zeichen J, U und W hinzugekommen.</p>
<p><sup>20</sup> &sbquo;Biblia pauperum&lsquo; = &sbquo;Bibel der Armen&lsquo; bezeichnet die Erz&auml;hlungen der biblischen Geschichten in Bildern; die biblischen Motive finden sich auf zahlreichen Fresken, Bildern und Alt&auml;ren in den Kirchenr&auml;umen der ausgehenden Antike und des Mittelalters.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p><strong>Der Einfluss des Semitischen auf die Bildung des ph&ouml;nizischen und griechischen Alphabetes:</strong></p>
<p><strong><img src="https://www.typovia.at/images/typo/uralphabet.png" alt="uralphabet" width="800" height="490" /><br /></strong></p>]]></description>
			<category>Geschichte der Schrift</category>
			<pubDate>Sun, 01 Jan 2017 09:22:58 +0000</pubDate>
		</item>
		<item>
			<title>III. Mittelalter</title>
			<link>https://www.typovia.at/index.php/typografie/geschichte-der-schrift/54-iii-mittelalter</link>
			<guid isPermaLink="true">https://www.typovia.at/index.php/typografie/geschichte-der-schrift/54-iii-mittelalter</guid>
			<description><![CDATA[<table border="0">
<tbody>
<tr valign="top">
<td style="width: 220px;"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/voelkerwanderung.png" target="_blank" id="V&ouml;lkerwanderungen" class="highslide" title="V&ouml;lkerwanderungen in Europa III&ndash;VII Jh." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'V&ouml;lkerwanderungen in Europa III&ndash;VII Jh.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/voelkerwanderungk.png" alt="voelkerwanderungk" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="V&ouml;lkerwanderungen in Europa III&ndash;VII Jh." /></a></td>
<td>Unter Kaiser Trajan (um 117 n. Chr.) hat das R&ouml;mische Imperium die Grenzen seiner Expansion erreicht. Gewiss haben die r&ouml;mischen Eroberungen die Errungenschaften der s. g. Zivilisation in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht in weiten Teilen Europas verbreitet, allerdings all zu oft auf Kosten der Freiheit der unterdr&uuml;ckten V&ouml;lker.&nbsp; Ab nun gilt es, das eigene Territorium entlang der &bdquo;limites&ldquo;<sup> 21</sup> gegen die Feinde von innen und von au&szlig;en zu verteidigen.
<p>Die V&ouml;lker Europas, Asiens und Afrikas befinden sich seit dem II. Jh. n. Chr. zunehmend in Bewegung. Die moderne Forschung spricht eher vom Prozess der &bdquo;Ethnogenese&ldquo; (im Sinne der Bildung der Rechtsgemeinschaft um den Traditionskern des Stammes), als von der Wanderung (im Sinne der Bewegung im geografischen Sinn). Die &bdquo;gens&ldquo; (lat. gens, -es = Sippe, Volksstamm, Volk) sind die Keimzellen der sp&auml;teren Staaten und V&ouml;lker aber auch der Sprachen und Schriften.</p>
<p>Der mit der Reichsteilung im Jahr 395 n. Chr. eingeleitete Untergang des r&ouml;mischen Reiches verursachte eine Verlagerung der Machtverh&auml;ltnisse in Europa. Die zunehmende Konkurrenz zwischen dem West- und Ostteil des Imperiums, sowie die K&auml;mpfe mit den Goten, den Franken, den Vandalen, Alanen und Sueben f&uuml;hrt schlie&szlig;lich zum Zusammenbruch des Westr&ouml;mischen Reiches in den Jahren 476&ndash;480.<sup> 22<br /></sup></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/runen-02a.png" target="_blank" id="Sharthi-Stein" class="highslide" title="Runen auf dem Sharthi-Stein von Haithabu" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Sharthi-Stein. Runenstein von Haithabu (Haiđaby), Ende des X. Jh., 1,58 &times; 1,14 &times; 0,38 m, Schleswig, Arch&auml;ologisches Landesmuseum der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, Quelle: Seipel W. (Hrsg.), Der Turmbau zu Babel, Band IIIB: Schrift, S. 267f..'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/runen-02ak.png" alt="runen" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Runen des Sharthi-Steins" /></a><a href="https://www.typovia.at/images/typo/runen-02b.png" target="_blank" id="Sharthi-Stein" class="highslide" title="Runen auf dem Sharthi-Stein von Haithabu" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Sharthi-Stein. Bustrophedonale Schreibrichtung auf dem Runenstein von Haithabu (Haiđaby), Ende des X. Jh., 1,58 &times; 1,14 &times; 0,38 m, Schleswig, Arch&auml;ologisches Landesmuseum der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, Quelle: Seipel W. (Hrsg.), Der Turmbau zu Babel, Band IIIB: Schrift, S. 267f..'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/runen-02bk.png" alt="runen" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Runen des Sharthi-Steins" /></a></td>
<td valign="top">Viele der handeltreibenden Sippen haben ihre eigene Sprachdialekte und verwenden Runen als Schrift. Nach den ersten sechs Buchstaben nennt man das Runenalphabet &bdquo;futhark&ldquo;. Die Schreibrichtung ist bustrophedonal (wie das Beispiel des &bdquo;Sharthi-Steins&ldquo; in Schleswig &ndash; Abb. links &ndash; veranschaulicht), wobei auch die s. g. &sbquo;Wenderungen&lsquo; und &sbquo;Sturzrunen&lsquo; bekannt sind. Als Quelle f&uuml;r die Bildung des Runenalphabets wird allgemein das lateinische Alphabet angenommen. Im angels&auml;chsischen England, das neben Skandinavien &uuml;ber die meisten Funde verf&uuml;gt, wird das Alphabet h&auml;ufig neben dem Lateinischen auf den Gegenst&auml;nden benutzt. Die Runenschrift ist auch im Einflussbereich der Franken und der Goten verbreitet. Zur Zeit der normannischen Eroberung im Jahr 1066 hat sich dennoch die lateinische Schrift durchgesetzt und die Runen beinahe vollst&auml;ndig verdr&auml;ngt. <br /><br />Was die Deutung der Runen betrifft meinen einige Experten: &bdquo;Wir k&ouml;nnen Runeninschriften zwar meist &sbquo;lesen&lsquo; &ndash; so wie wir etruskische Texte lesen k&ouml;nnen &ndash; aber ihre Bedeutung ist oft unklar, weil wir wenig &uuml;ber die fr&uuml;hgermanischen Sprachen wissen. Unter &sbquo;Runen lesen&lsquo; verstehen wir heute eine begr&uuml;ndete Vermutung auf der Basis sp&auml;rlicher und zweideutiger Hinweise. Ein Runenforscher meint, das erste Gesetz der Runodynamik laute: &sbquo;F&uuml;r jede Inschrift gibt es so viele Deutungen wie Gelehrte, die sich damit befassen.&lsquo;&ldquo; <sup>23</sup></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top">
<p><img src="https://www.typovia.at/images/typo/runen.png" alt="runen" width="649" height="110" /></p>
<p>Futhark Runenschrift besteht aus 24 Glyphen.<sup> 24</sup></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top">
<p class="downloadbox"><a href="https://www.typovia.at/images/download/font/Runestones.zip" title="Runestones Font"><img src="https://www.typovia.at/images/site/download_72.png" alt="download 72" width="72" height="72" /></a> <br /><a href="https://www.typovia.at/images/download/font/Runestones.zip" title="Runestones Font">Runestones Font</a><br /><span style="font-size: 8pt;">11,49 kB</span></p>
</td>
</tr>
<tr valign="top">
<td><a href="https://www.typovia.at/images/typo/karolinger.png" id=" " class="highslide" title="Das karolingische Reich Karl des Gro&szlig;en" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Das karolingische Reich Karl des Gro&szlig;en.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/karolingerk.png" alt="Thumbnail image" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Das karolingische Reich" /></a></td>
<td>
<p>Der Untergang des r&ouml;mischen Reiches bewirkte eine Verlagerung der Machtverh&auml;ltnisse in Europa. Viele germanisch-romanische St&auml;mme gewinnen an Bedeutung und k&auml;mpfen um den territorialen, wirtschaftlichen, religi&ouml;sen und kulturellen Einfluss: die Ostgoten in Pannonien und Italien, die Langobarden ebenfalls in Italien, die Westgoten in Spanien<sup> 25</sup> und Frankreich, die Franken in Teilen Frankreichs und Deutschland und schlie&szlig;lich die Angelsachsen in England.</p>
<p>Als eine der m&auml;chtigsten Herrscherdynastien ging aus den kriegerischen Auseinandersetzungen der nachfolgenden Jahrhunderte jene der Karolinger hervor (ab 751: Pippin der J&uuml;ngere, dann ab 768: Karl der Gro&szlig;e). Das riesige &ndash; sich &uuml;ber viele Sprachgebiete erstreckende &ndash; Reich musste auch gef&uuml;hrt, verwaltet und organisiert werden.</p>
<p>&bdquo;Die Notwendigkeit, Beschl&uuml;sse, Gesetze und Verlautbarungen f&uuml;r das gesamte Reich verst&auml;ndlich zu machen, f&uuml;hrte zu einer gemeinsamen Schrift. Es entstand die karolingische Minuskel, die ihren formalen Ausgangspunkt in den altr&ouml;mischen Schriften hatte. Es war eine aus Kleinbuchstaben bestehende Schrift, deren einzelne Buchstaben breit und rund gehalten waren.&ldquo;</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p><a href="https://www.typovia.at/images/typo/karolingische-minuskel.png" target="_blank" class="highslide" title="Karolingische Minuskel" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Karolingische Minuskel. &bdquo;Gesta Pontificum Romanorum&ldquo; (Liber Pontificalis), Codex 210. Nordfrankreich, 2 H&auml;lfte des VIII. Jh., K&ouml;ln, Dombibliothek.&lt;br &gt;&lt;/a&gt; Quelle: CEEC &ndash; Codices Electronici Ecclesiae Colonensis, http://www.ceec.uni-koeln.de'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/karolingische-minuskelk.png" alt="karolingische-minuskelk" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Karolingische Minuskel" /></a></p>
<p><a href="https://www.typovia.at/images/typo/bookofkells.png" target="_blank" class="highslide" title="Das &bdquo;Book of Kells&ldquo;" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Das &bdquo;Book of Kells&ldquo;. Insularschrift aus dem VIII. Jh., Trinity College Library, Dublin.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/bookofkellsk.png" alt="Book of Kells" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Book of Kells" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
</td>
<td valign="top">Als Sprache des karolingischen Reiches wird das am meisten gekannte und verbreitete Latein verwendet, als Verkehrsschrift dient bis in das XI. Jahrhundert die karolingische Minuskel. Diese Schrift wurde von Alkuin von York &ndash; der in Tours t&auml;tig war &ndash; im IX. Jahrhundert entwickelt. Die neugegr&uuml;ndeten Kl&ouml;ster werden zu den kulturtragenden Zentren des Mittelalters und zum Ausgangspunkt der Bildungs- und Missionst&auml;tigkeit der Kirche.<br /><br />Eine bedeutende Schrift dieser Zeit (Ende VIII/Anfang IX. Jh.) repr&auml;sentiert das weltber&uuml;hmte &bdquo;Book Of Kells&ldquo;, ein im Trinity College Library in Dublin aufbewahrtes Evangeliar, das um den Kanon des Eusebius von C&auml;sarea erweitert wurde. Dieser aus 340 Folien bestehende Prachtband wurde in der s. g. Insularen Minuskel (auch Spitzschrift genannt) geschrieben.</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/hiob.png" target="_blank" class="highslide" title="Das alttestamentliche Buch Hiob." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Das alttestamentliche Buch Hiob. Fr&uuml;he gotische Rotunda. Sammlung des Stiftes Herzogenburg. Photo: www.typovia.at'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/hiobk.png" alt="Das alttestamentliche Buch Hiob" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Das Buch Hiob" /></a></td>
<td valign="top">
<p>Abh&auml;ngig von den Anwendungsgebieten entstanden im mittelalterlichen Europa die Urkundenschrift (z. B. Merowingische Urkundenminuskel, Cancellaresca, die Scriptura elongata der K&ouml;nigskanzlei, die Kuriale der p&auml;pstlichen Kanzlei usw.), die Universit&auml;tsschriften (z. B. Littera bononensis, Littera parisensis, Bastarda, Textualis, Rotunda) und Humanistenschriften (Humanistica antiqua). Textualis und Cursiva sind zwei Schriftarten, die besonders f&uuml;r die Erstellung von liturgischen B&uuml;chern, sowie Herrschern gewidmeten Werken verwendet wurden. Sie werden allgemein in die Kategorie der gotischen Schriften eingeordnet und erreichen im XIV/XV. Jahrhundert ihre Bl&uuml;tezeit.<br /><br /><span style="color: #999999;">Weiterf&uuml;hrende Information &uuml;ber die Schriften des Mittelalters im Artikel <img src="https://www.typovia.at/images/site/puce.gif" alt="puce" width="22" height="12" />Majuskel und Minuskel<a href="https://www.typovia.at//index.php/typografie/grundlagen/majuskel-und-minuskel" title="Majuskel und Minuskel">.</a> </span><br /><span style="color: #999999;">Dort im Detail &uuml;ber:</span></p>
<ul>
<li><span style="color: #999999;">Unziale (IV. bis VIII. Jahrhundert n. Chr.) und Halbunziale</span></li>
<li><span style="color: #999999;">Gotische Majuskel (XIII. und XIV. Jahrhundert n. Chr.)</span></li>
<li><span style="color: #999999;">Karolingische Minuskel (um 780 bis XII. Jahrhundert)</span></li>
<li><span style="color: #999999;">Insulare Minuskel: vom VIII. bis ins XII. Jahrhundert im angels&auml;chsisch-irischen Raum verbreitet</span></li>
<li><span style="color: #999999;">Westgotische Minuskel (spanische Minuskel)</span></li>
<li><span style="color: #999999;">Fr&uuml;hgotische (ab Ende XI. Jh. bis XIII. Jahrhundert), gotische (XIV. Jh.) und sp&auml;tgotische (XVI. Jh.) Minuskel </span></li>
</ul>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/glagolica.png" target="_blank" class="highslide" title="Glagolica" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Codex Zographensis, Tetraevangellium aus dem X/XI. Jh. geh&ouml;rt zu den &auml;ltesten Schriftzeugnissen der glagolitischen Schrift, 180 &times; 125 mm, &lt;br &gt;&lt;/a&gt;St. Petersburg, Русская национаљная библиотека, Codex glagoliticus I, &lt;br &gt;&lt;/a&gt;Quelle: Seipel W. (Hrsg.), Der Turmbau zu Babel, Band IIIB: Schrift, S. 236.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/glagolicak.png" alt="Glagolica" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Glagolica" /></a></td>
<td valign="top">F&uuml;r Europa ist die &auml;lteste Schrift der Slawen, das glagolitische Alphabet, erw&auml;hnenswert. Sie wurde von dem griechischen Missionar Konstantinos (sp&auml;ter Kyrillos genannt) um 860 geschaffen. Diese Schrift behauptet sich bis heute in dem Einzugsgebiet der griechisch-orthodoxen Kirche (Russland, Serbien, Teile Kroatiens, Bulgarien). Das griechische Alphabet kann man nicht als Inspirationsquelle f&uuml;r die kyrillische Schrift bezeichnen. Kyrillisch ist eine Originalschrift, die eine Abzweigung der griechischen Majuskelschrift des IX. Jahrhunderts darstellt. <sup>27</sup><br /><br /></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/gutenberg_01.png" target="_blank" class="highslide" title="Gutenberg Bibel: Genesis Buch" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Die Seite des Buches Genesis der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel, 1452/53. Quelle: Gutenberg digital (http://www.gutenbergdigital.de).'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/gutenberg_01k.png" alt="gutenberg_01k" style="margin-right: 3px;" title="Das Buch Genesis" /></a><br /><a href="https://www.typovia.at/images/typo/gutenberg_02.png" target="_blank" class="highslide" title="Gutenberg Bibel: das Johannnes Evangelium" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Die Seite des Johannes Prologs der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel, 1452/53. Quelle: Gutenberg digital (http://www.gutenbergdigital.de).'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/gutenberg_02k.png" alt="gutenberg_02k" style="margin-right: 3px; vertical-align: bottom;" title="Das Johannnes Evangelium" /></a></td>
<td valign="top">F&uuml;r die Entwicklung der Schrift ist die Erfindung des Buchdrucks durch Henne Gensfleisch (besser bekannt als Johannes Gutenberg, 1400&ndash;1468), der nach seinen Strassburger Jahren (1434&ndash;1444) ab 1448 wieder in Mainz arbeitet, von epochaler Bedeutung. Zwischen 1452&ndash;1455 druckt er seine 42-zeilige (lateinische) Bibel:<br /><br />
<div id="srq_quote">
<p>&bdquo;Gedruckt wurde schon vor Gutenberg per Holzdruck. Hierbei wurde Papier auf den bearbeiteten und mit Farbe versehenen Holzstock gelegt und abgerieben &ndash; ein aufwendiges und langwieriges Verfahren. Grundgedanke der Erfindung Gutenbergs war die Zerlegung des Textes in alle Einzelelemente wie Klein- und Gro&szlig;buchstaben, Satzzeichen, Ligaturen und Abk&uuml;rzungen, wie sie aus der Tradition der mittelalterlichen Schreiber allgemein &uuml;blich waren. Diese Einzelelemente wurden als seitenverkehrte Lettern in beliebiger Anzahl gegossen, schlie&szlig;lich zu W&ouml;rtern, Zeilen und Seiten zusammengef&uuml;gt.</p>
<p>Urform oder Prototyp f&uuml;r jeden Buchstaben war der Stempel. In die Stirnseite eines Stahlstifts wurde das Zeichen geschnitten, so dass sich ein seitenverkehrtes pr&auml;zises Relief ergab. Nun wurde der jeweilige Stempel, die Patrize, in einen rechteckigen Block aus weicherem Metall, in der Regel wohl Kupfer, &sbquo;abgeschlagen&lsquo;, d. h. senkrecht mit dem Schlag eines Hammers eingetieft. Die so erzeugte Matrize musste nachbearbeitet und begradigt werden, so dass ein rechtwinkliger Kubus mit geraden Seiten entstand. Das seitenrichtige Bild sollte eine einheitliche Tiefe haben, weshalb die Oberfl&auml;che mit einer Feile bearbeitet wurde. Um den Guss einer Letter zu bewerkstelligen, entwickelte Gutenberg das Handgie&szlig;instrument. Zwei Teile umschlie&szlig;en einen rechteckigen Gie&szlig;kanal, dessen eines Ende durch Einsetzen der Matrize verschlossen wurde. Nach dem Guss der Lettern im Handgie&szlig;instrument musste der Angusszapfen entfernt werden.&ldquo; <sup>28</sup></p>
</div>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/gutenberg-type.png" target="_blank" class="highslide" title="Zeichensatz der Gutenberger Bibel" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Zeichenvorrat der Gutenberger Bibel.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/gutenberg-typek.png" alt="gutenberg-typek" title="Zeichensatz der Gutenberger Bibel" /></a></td>
<td valign="top">Die neue Technologie, die einerseits erstmalig hohe Auflagen von schriftlichen Werken erm&ouml;glichte, andererseits auch propagandistischen Zielen diente, legte den Grundstein f&uuml;r die rasche Verbreitung des Geistes der Reformation und der Aufkl&auml;rung. Die gutenbergsche Drucktechnik wurde in den folgenden 350 Jahren nicht wesentlich ver&auml;ndert.
<p>Ab nun ist jeder Herrscher, Adelige bzw. Wohlhabende in der Lage, sein Gedankengut in schriftlicher Form der Welt zu unterbreiten.</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>-----</p>
<p>21&nbsp;&nbsp; &nbsp;lat. limes, limites = Grenzwall, Schneise.</p>
<p>22&nbsp;&nbsp; &nbsp;Das Byzantinische Reich &uuml;bersteht diese Phase weitgehend unbeschadet &ndash; knapp 1000 Jahre sp&auml;ter am 29. Mai 1453 mit dem Tod des Kaisers Konstantin des XI. endet die 2000-j&auml;hrige Geschichte des R&ouml;mischen Reiches.</p>
<p>23&nbsp;&nbsp; &nbsp;&bdquo;So liest man Runen&ldquo;, in: Robinson A., Die Geschichte der Schrift, Albatros Verlag, D&uuml;sseldorf: 2004, S. 178.</p>
<p>24&nbsp;&nbsp; &nbsp;Abbildung nach: &bdquo;So liest man Runen&ldquo;, in: Robinson A., Die Geschichte der Schrift, Albatros Verlag, D&uuml;sseldorf: 2004, S. 178.</p>
<p>25&nbsp;&nbsp; &nbsp;Das Tolosanische Reich hat in weiterer Folge w&auml;hrend der Reconquista in Spanien identit&auml;tsstiftende Funktion.</p>
<p>26&nbsp;&nbsp; &nbsp;&bdquo;Mittelalter und Romanik&ldquo; in: Typographie &ndash; wann wer wie. Friedl F., Ott N., Stein B. (Hrsg.), K&ouml;nemann Verlagsgesellschaft mbH K&ouml;ln: 1998, SS. 70f.</p>
<p>27&nbsp;&nbsp; &nbsp;Mehr zu diesem Thema in: Haarmann H., &bdquo;Die europ&auml;ischen Alphabetschriften. Ihre Herkunft, Abh&auml;ngigkeit und Verbreitung&ldquo;, in: Der Turmbau zu Babel. Ursprung und Vielfalt von Sprache und Schrift. Band II: Sprache,&nbsp; Seipel W. (Hrsg.), Kunsthistorisches Museum Wien, Skira editore Milano: 2003, SS 225&ndash;231.</p>
<p>28&nbsp;&nbsp; &nbsp;Quelle: <a href="http://www.gutenberg.de" target="_blank">www.gutenberg.de</a>.</p>]]></description>
			<category>Geschichte der Schrift</category>
			<pubDate>Sun, 01 Jan 2017 09:42:08 +0000</pubDate>
		</item>
		<item>
			<title> IV. Renaissance – Barock – XVIII. und XIX. Jahrhundert </title>
			<link>https://www.typovia.at/index.php/typografie/geschichte-der-schrift/55-iv-renaissance-barock-xviii-und-xix-jahrhundert</link>
			<guid isPermaLink="true">https://www.typovia.at/index.php/typografie/geschichte-der-schrift/55-iv-renaissance-barock-xviii-und-xix-jahrhundert</guid>
			<description><![CDATA[<table border="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width: 220px; vertical-align: top;" valign="top">
<p><a href="https://www.typovia.at/images/typo/jenson_antiqua.png" target="_blank" class="highslide" title="Antiqua von Nicolas Jenson" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Jensons Antiqua (Eusebius Caesariensis, De evangelia praeparatione, Venedig 1470), in: Caflisch M., Schriftanalysen, Bd. 1, S. 12.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/jenson_antiquak.png" alt="jenson_antiquak" width="200" height="200" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Jensons Antiqua" /></a></p>
</td>
<td valign="top">Im Europa der Renaissance bilden sich neue Berufsbilder: die des Schriftschneiders und Schriftsetzers. Einige von den Schneidern erlangen bis in die Zeiten des digitalen Druckverfahrens so gro&szlig;es Ansehen, dass die von ihnen gegossenen Alphabete von den modernen Gie&szlig;ereien und Foundrys neu gezeichnet, gegossen bzw. digitalisiert worden sind: Jenson, Bembo, Garamond, Augereau, Granjon, Caslon u. a.
<p>Die Schriftschneider der beginnenden Renaissance versuchen f&uuml;r die Buchstaben eine Form zu finden, die bestm&ouml;gliche Lesbarkeit gew&auml;hrleisten soll. Einige bem&uuml;hen sich bei der Erstellung der Cancellaresca die Handschrift der Schreibmeister nachzuahmen: so entstehen die Kursivschnitte.</p>
<p><span style="color: #c0c0c0; font-size: 10pt;">Mehr dazu im Artikel <img src="https://www.typovia.at/images/site/puce.gif" alt="puce" width="22" height="12" /><a href="https://www.typovia.at//index.php/typografie/grundlagen/kursive-oder-italic" title="Kursive (italic)">Kursive (italic)</a>.</span></p>
<p>Die Idee&nbsp; der beweglichen Letter verbreitet sich schnell in ganz Europa. Auf der Suche nach einer neuen Schriftform werden jedoch nicht die deutschen gebrochenen Schriften herangezogen, sondern die antiken Vorlagen der Capitalis f&uuml;r die Majuskeln, sowie die karolingische Minuskel verwendet. Die neuen Schriften besitzen starke kalligrafische, humanistische Z&uuml;ge, die ganz dem Geist der Renaissance entsprechen. Es werden Schriftzeichen entworfen, die ihresgleichen hinsichtlich der Lesbarkeit und der Form bis in die heutige Zeit suchen. Da die ersten mit dieser Schrift gedruckten Ausgaben h&auml;ufig auch antike Werke der griechischen und r&ouml;mischen Philosophen beinhalten, ist der Name der Schriften auch bald gefunden: antiqua (lat. &sbquo;antiquus&lsquo; = das Alte, aus dem Altertum stammend).</p>
<p>Im Zentrum der Innovation liegt Venedig; hier wirkt der Franzose Nicolas Jenson (1420&ndash;1480), der f&uuml;r das im Jahr 1470 erscheinende Buch &bdquo;De evangelia praeparatione&ldquo; des Kirchenvaters Eusebius aus C&auml;sarea einen eigenen Schriftschnitt entwirft: die Jenson Antiqua, die durch den geneigten Querstrich der e-Minuskel und die markanten oberen M-Majuskel Abschl&uuml;sse die charakteristischen Merkmale der venezianischen Antiqua aufweist. <br /><br />Besondere Leistungen erbringt um 1500 die Druckmanufaktur des Aldus Manutius. Der umtriebige Verleger nutzt die in der Bibliotheca Marciana in Venedig verf&uuml;gbaren &ndash; aus den Schenkungen Petrarcas und des Kardinal Bessarion stammenden &ndash; griechischen Originale und druckt preiswerte Neuauflagen dieser Klassiker die s. g. &bdquo;Aldinen&ldquo;; f&uuml;r Kardinal Pietro Bembo druckt er im Jahr 1495 &bdquo;De &AElig;tna&ldquo; mit einer neuen Schrift<sup> 29</sup>; in seinem Haus entstehen schlie&szlig;lich die ersten Kursiv- und Griechisch-Schnitte von Francesco Griffo (1450&ndash;1518) um das Jahr 1500.</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/garamont-01.png" target="_blank" class="highslide" title="Antiqua Garamonts" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Nachbau der Antiqua Garamonts, die 1641 von Jean Jannon f&uuml;r die Imprimerie Royale nachgeschnitten wurde. '})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/garamont-01k.png" alt="garamonts_antiquak" width="200" height="200" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" title="Antiqua Garamont" /></a></td>
<td valign="top">Die st&auml;ndigen K&auml;mpfe auf der Halbinsel zwischen Spanien, Frankreich, &Ouml;sterreich, der Schweiz und den einzelnen italienischen Republiken st&ouml;ren die anfangs so erfolgreiche Entwicklung des Druckwesens in Italien. So verlagert sich das Zentrum der Schriftentwicklung nach Frankreich. Hier wirken u. a. Claude Garamont (1499&ndash;1561), Antoine Augereau (1485&ndash;1534), Robert Granjon (1513&ndash;1589) und Jean Jannon (1580&ndash;1658). <br /><br />Die Antiquas verbreiten sich mit der Idee des Protestantismus in den Niederlanden, der Schweiz und in England. Das Gedruckte kann zu einer Waffe im Propagandakrieg genutzt werden: das erkennen sowohl der K&ouml;nig (Louis XIII. gr&uuml;ndet in Louvre die &bdquo;Manufacture royale d'imprimerie&ldquo; im Jahr 1640), wie auch die Kirche (s. die Machenschaften des Kardinal Richelieu rund um die Konfiszierung ganzer Schrifts&auml;tze ber&uuml;hmter protestantischer Drucker, Verleger, Schneider und Setzer).</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/schriften-in-europa.png" target="_blank" class="highslide" title="Schriften in Europa um 1900" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Schriften in Europa um 1900. Quelle: Dr. L. Henkel.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/schriften-in-europak.png" alt="Thumbnail image" title="Schriften in Europa um 1900" /></a></td>
<td valign="top">Erw&auml;hnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Entwicklung der Schrift in den deutschsprachigen L&auml;ndern unterschiedlich zu den anderen Nationen verl&auml;uft. W&auml;hrend die meisten L&auml;nder Westeuropas aufgrund ihrer lateinischen Tradition Antiqua-Schriften einsetzen, bleibt Deutschland der gebrochenen Schrift &ndash; die den Entwicklungsprozess von der Textura &uuml;ber Schwabacher bis zur Fraktur durchl&auml;uft &ndash; jahrhundertelang treu. <br /><br />Teilweise wird dieser Zustand durch die Reformationsbewegung (1517 <a href="https://www.typovia.at/images/typo/luther.png" target="_blank" class="highslide" title="Das Neue Testament in der M. Luther &Uuml;bersetzung" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Das Neue Testament Wittenberg, Hans Lufft, 1540 (ThULB Jena, Ms. App. 25; VD 16 B 4429) mit der Notiz Georg R&ouml;rers zum Thesenanschlag.'})">Luther in Wittenberg</a>, dann Melanchthon, Zwingli, Bucer, Calvin, Anglikaner), den Druck von Propagandaschriften<sup> 30</sup>, sowie durch die Verwendung der Landessprache in der Liturgie und in den &Uuml;bersetzungen der Bibel in diese Sprachen, beg&uuml;nstigt. Die Antiqua wird als die Hausschrift des Erzfeindes &ndash; der katholischen Kirche &ndash; gesehen.
<p>Die Fraktur wird in den deutschsprachigen L&auml;ndern bis zum Ende des II. Weltkriegs vorwiegend als Gebrauchsschrift genutzt, die Antiqua dient lediglich den Auszeichnungszwecken.</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p><a href="https://www.typovia.at/images/typo/caslon-longprimer.png" target="_blank" class="highslide" title="Longprimer von William Caslon" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Long Primer Roman No. 1 und No. 2 von William Caslon. Quelle: Typofoundry.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/caslon-longprimerk.png" alt="Thumbnail image" title="Longprimer von William Caslon" /></a></p>
<p><a href="https://www.typovia.at/images/typo/baskerville-01.png" target="_blank" class="highslide" title="Specimen von John Baskerville" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Specimen von John Baskerville. Quelle: Typofoundry.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/baskerville-01k.png" alt="John Baskerville" title="Specimen von John Baskerville" /></a></p>
</td>
<td valign="top">
<p>Die B&uuml;cher der Barockzeit spiegeln mit den &uuml;ppigen Formen und der ausufernden Ornamentik den Geist der gesamten Epoche wider. Nicht desto trotz &ndash; gepr&auml;gt vor allem durch die franz&ouml;sischen, niederl&auml;ndischen und englischen Schriftschneider &ndash; entstanden in dieser Zeit einige neue, qualitativ hochwertige Schriften. Zu den bedeutendsten Typographen der Barockzeit geh&ouml;rten Philippe Grandjean (1666&ndash;1714), Johann Michael Fleischmann (1701&ndash;1768), Christoffel van Dyck (1605&ndash;1669), William Caslon (1692&ndash;1766) und John Baskerville (1706&ndash;1775).</p>
<p>Durch die Verfeinerung der Radiertechnik der Barock- und der Rokokozeit, sowie durch die Einf&uuml;hrung des Kupferstichs sind im Klassizismus sehr kontrastreiche, von sehr d&uuml;nnen bis zu sehr dicken Linien gepr&auml;gte Schriften m&ouml;glich. Sie sind nicht so gut lesbar wie die Antiquaschriften und der feine Strich (nicht besonders strapazf&auml;hig) erlaubt nur den Druck von eher kleinen Auflagen. Die klassizistischen Alphabete zeigten eine gewisse &bdquo;Eleganz, Pr&auml;zision und Souver&auml;nit&auml;t der Formen&rdquo;.<sup> 31<br /></sup></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/fournier-01.png" target="_blank" class="highslide" title="Manuel Typographique" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Manuel Typographique von Pierre Simon Fournier, 1764. Quelle: Google Books.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/fournier-01k.png" alt="Thumbnail image" title="Manuel Typographique" /></a></td>
<td valign="top">
<p>Es findet auch ein Wechsel von der dynamisch-asymmetrischen zu der statisch-symmetrischen Form statt. Der sehr sparsame Einsatz der Ornamentik, der Ersatz der Initialen durch etwas gr&ouml;&szlig;ere Versalien der Brotschrift, der Blocksatz und die Mittelachse als Hauptformen des Layouts kennzeichnen die Drucksorten des Klassizismus.</p>
<p>Die wichtigsten Typografen dieser Epoche: John Bell (1746-1831), Giambattista Bodoni (1740&ndash;1813), Pierre Simon Fournier (1712&ndash;1768), Familie Didot (Firmin Didot 1689&ndash;1757), Johann Friedrich Unger (1753&ndash;1804) und Justus Erich Walbaum (1768&ndash;1837) .</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/bodoni-manuale.png" target="_blank" class="highslide" title="Giambattista Bodoni: Manuale Tipografico, 1818." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Giambattista Bodoni: Manuale Tipografico, 1818. Quelle: rarebookroom.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/bodoni-manualek.png" alt="Bodoni" title="Giambattista Bodoni: Manuale Tipografico, 1818." /></a></td>
<td valign="top">
<p>Auf die klaren Linien des Klassizismus folgte der exzessive Dekorationswahnsinn des Historismus. Diese Epoche &bdquo;bediente sich der stilistischen Zitate und Verzierungen von der Antike &uuml;ber die Gotik bis zum Rokoko. (&hellip;) Dies alles geschah rein formal, weil die vorfabrizierten Verzierungen ohne jeglichen inhaltlichen Bezug verwendet wurden: in der Architektur sahen Fabriken aus wie griechische Tempel, im gedruckten Bereich sahen Briefbogen und Rechnungen aus wie Ank&uuml;ndigungen zum Ritterschlag, Gesch&auml;ftsanzeigen wie Denkmale. Zeilen und Texte waren auf Mittelachse ausgerichtet in weitschweifigsten Schriftphantasien gesetzt.</p>
<p>Es ist &uuml;berraschend, dass die gestalterische Kultur des Historismus, die hundert Jahre lang bek&auml;mpft, besp&ouml;ttelt und &uuml;berwunden wurde, in modernisierter Form durch die neuen Techniken, in der DTP-Typografie (1990) und in der multistilistischen Typografie (1995) erneut aktuell ist. Der Stil war damals und ist heute ein &auml;ngstliches Aufbegehren des bewegten k&uuml;nstlerischen Individuums vor bef&uuml;rchteter normierter Enge.&ldquo; <sup>32 <span class="footnote"></span></sup></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/morris-goldentype.png" target="_blank" class="highslide" title="The Golden Type von William Morris" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'The Golden Type von William Morris, 1891, in: Caflisch, Schriftanalysen, Bd. 1, S. 19.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/morris-goldentypek.png" alt="Thumbnail image" title="The Golden Type" /></a></td>
<td valign="top">
<p>William Morris (1834&ndash;1896), einer der Gr&uuml;nder der &bdquo;Arts and Crafts&rdquo; Bewegung, sowie die meisten Kritiker und Typografen seiner Zeit waren sich einig, dass der Stil des Historismus den Verfall der Qualit&auml;t bedeutet. Es sind in dieser Zeit jene Begriffe wie &bdquo;Lesbarkeit der Schrift&rdquo; oder &bdquo;Geschlossenheit der Buchseite&rdquo; wieder erfolgreich in die Praxis umgesetzt worden. Die Typografie orientiert sich wieder an den Vorbildern der Renaissance: die Golden Type der Kelmscott Press (1891) geht auf Nicolas Jenson zur&uuml;ck.</p>
<p>Nicht nur das Schriftbild, sondern auch andere Elemente wie Ornamentik, Linie, Initialen, Illustration, Papier, Druck und Bindung werden bei der Produktion eines Druckwerkes ber&uuml;cksichtigt und abgestimmt.</p>
<p>Das ausgehende XIX. Jahrhundert ist durch den Jugendstil gekennzeichnet. Gepr&auml;gt ist diese Zeit durch die Sehnsucht nach Sch&ouml;nheit und Individualit&auml;t, die abstrahierenden Formen finden ihre Vorbilder h&auml;ufig in der Natur. Es wurden ganze Alphabete neu entworfen, die dem kompositorischen Ganzen untergeordnet worden sind. Die popul&auml;rsten Medien f&uuml;r Druckbotschaften waren Zeitschrift und Plakat, die den Formenreichtum der Epoche oft prunkvoll darstellten.</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/plakat_andri.png" alt="Ferdinand Andri, 1902." width="200" height="571" style="margin-right: 3px; float: left;" longdesc="Ferdinand Andri, 1902." /></td>
<td valign="top">
<p><img src="https://www.typovia.at/images/typo/plakat_moser.png" alt="Kolo Moser, 1902." width="200" height="609" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; float: left;" /> <img src="https://www.typovia.at/images/typo/plakat_roller.png" alt="Alfred Roller, 1903." width="200" height="606" style="margin-right: 3px; float: left;" /><img src="https://www.typovia.at/images/typo/plakat_kurzweil.png" alt="Max Kurzweil, 1903." width="200" height="611" style="margin-right: 3px; float: left;" />v. l. n .r.:<br /><br />Ferdinand Andri, Ausstellungsplakat der X. Ausstellung der Vereinigung bildender K&uuml;nstler &Ouml;sterreichs Ver Sacrum, 1902. Plakat der Ausstellung &sbquo;Kraftfl&auml;chen. Wiener Plakatkunst um 1900&lsquo;. Ausstellung des Historischen Museum der Stadt Wien (10.06&ndash;21.09.2003). <br /><br />Kolo Moser, Ausstellungsplakat der XIII. Ausstellung der Vereinigung bildender K&uuml;nstler &Ouml;sterreichs Ver Sacrum, 1902. Plakat der Ausstellung &sbquo;Kraftfl&auml;chen. Wiener Plakatkunst um 1900&lsquo;. Ausstellung des Historischen Museum der Stadt Wien (10.06&ndash;21.09.2003).<br /><br />Alfred Roller, Ausstellungsplakat der XVI. Ausstellung der Vereinigung bildender K&uuml;nstler &Ouml;sterreichs Ver Sacrum, 1903. Plakat der Ausstellung &sbquo;Kraftfl&auml;chen. Wiener Plakatkunst um 1900&lsquo;. Ausstellung des Historischen Museum der Stadt Wien (10.06&ndash;21.09.2003).<br /><br />Max Kurzweil, Ausstellungsplakat der XVII. Ausstellung der Vereinigung bildender K&uuml;nstler &Ouml;sterreichs Ver Sacrum, 1903. <sup>33</sup></p>
<p>&nbsp;</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top"><hr /></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/linotype_setzmaschine.png" target="_blank" class="highslide" title="Linotype-Setzmaschine" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Linotype-Setzmaschine im Deutschen Museum, M&uuml;nchen.&lt;br &gt;&lt;/a&gt;Quelle: Wikipedia 2005, Photo: Softeis, GNU-Lizenz.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/linotype_setzmaschinek.png" alt="Thumbnail image" title="Linotype" /></a></td>
<td valign="top">
<p>Es wurde versucht, einige der Erfindungen und Entdeckungen des XIX. Jahrhunderts auch in der Drucktechnologie anzuwenden. Die Methode des Handsatzes ist seit Gutenberg (~1440) bis zum Einsatz der ersten mechanischen Setzmaschine Linotype 1886 von Ottmar Mergenthaler unver&auml;ndert geblieben. In vielen Druckbetrieben wurde der Handsatz mit Bleilettern bis in die 50er Jahre des XX. Jahrhunderts immer noch angewandt. Die Linotype wurde mit gro&szlig;er Begeisterung in der Branche aufgenommen &ndash; um 1900 waren 6.000 Maschinen im Einsatz.<sup><span class="footnote">34</span></sup></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&bdquo;Die erste Ausf&uuml;hrung, die &sbquo;Blower Linotype&lsquo; wurde 1886 bei der Zeitung &sbquo;New York Tribune&lsquo; vorgef&uuml;hrt. Mit dieser Maschine lie&szlig;en sich ganze Zeilen auf einmal gie&szlig;en. Bei der auch kurz als Blower bezeichneten Maschine wurden Matrizenscheiben &uuml;ber ein Luftgebl&auml;se zum Sammler gef&uuml;hrt. Die Linotype wurde im Lauf der Zeit immer weiterentwickelt und verfeinert. So lie&szlig; sich Mergenthaler seine Weiterentwicklung &sbquo;Simplex&lsquo; Anfang 1888 unter dem Namen Linotype patentieren. Bei sp&auml;teren Modellen werden die in Magazinen aufbewahrten Matrizen der einzelnen Drucktypen &uuml;ber eine schreibmaschinen&auml;hnliche Tastatur in der gew&uuml;nschten Reihenfolge ausgel&ouml;st und zum Sammler weitergeleitet. Die zu Zeilen aneinander gereihten Matrizen gelangen anschlie&szlig;end in den Gie&szlig;apparat, wo auch das Ausgleichen der Wortzwischenr&auml;ume f&uuml;r die gew&uuml;nschte Zeilenbreite, bzw. das Ausschlie&szlig;en, erfolgt. Nach erfolgtem Guss und Aussto&szlig; der kompletten Zeile werden die Matrizen dann an ihren jeweiligen Platz in den Magazinen zur&uuml;ckgef&uuml;hrt.&ldquo;<sup><span class="footnote"> 35<br /></span></sup></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p><a href="https://www.typovia.at/images/typo/monotype.png" target="_blank" class="highslide" title="Monotype Taster" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Monotype Taster im Deutschen Museum, M&uuml;nchen.&lt;br &gt;&lt;/a&gt;Quelle: Wikipedia 2005, Photo: Softeis, GNU-Lizenz.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/monotypek.png" alt="Monotype Taster" title="Monotype Taster" /></a></p>
<p><a href="https://www.typovia.at/images/typo/monotype_guss.png" target="_blank" class="highslide" title="Monotype Gie&szlig;maschine" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Monotype Gie&szlig;maschine im Deutschen Museum, M&uuml;nchen.&lt;br &gt;&lt;/a&gt;Quelle: Wikipedia 2005, Photo: Softeis, GNU-Lizenz.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/monotype_gussk.png" alt="Monotype" title="Monotype Gie&szlig;maschine" /></a></p>
</td>
<td valign="top">
<p>Ein mechanisches Prinzip, jedoch nicht auf Zeilen, sondern auf Einzelbuchstaben basierend, entwickelte auch Tolbert Lanston zeitgleich zu Linotype. Er baute seit 1883 &bdquo;&hellip; mehrere Maschinen, die zwar geringf&uuml;gige Unterschiede in der Bauweise aufwiesen, im Prinzip jedoch alle nach den kodifizierten Anweisungen eines vorher erstellten Lochbandes arbeiteten.</p>
<p>Die ersten kommerziellen Erfolgsmodelle entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts und bestanden aus einer Tastatur und einer &uuml;ber Lochband gesteuerten Typengie&szlig;vorrichtung. Im Gegensatz zur Linotype erstellte die Monotype einzelne Metallbuchstaben, wodurch vielseitigere Anwendungsm&ouml;glichkeiten gegeben waren. Die jeweils gew&uuml;nschte Gie&szlig;form wurde durch einen gelochten Papierstreifen in Gie&szlig;position gebracht, der die gesamte Folge erforderlicher Setzanweisungen enthielt.&ldquo;<sup> 36<br /></sup></p>
<p>Bis zur Einf&uuml;hrung des Photosatzes in den 1950er Jahren waren die zwei Systeme Linotype und Monotype marktf&uuml;hrend. Die n&auml;chsten Entwicklungsstufen sind der Licht- und Computersatz und schlie&szlig;lich die Revolution des DTP-Zeitalters.</p>
<p>Auch bei der Papierherstellung wurden die Errungenschaften der Industrie erfolgreich umgesetzt: anstatt der Wasserm&uuml;hlen und der Herstellung des handgesch&ouml;pften Papiers sind Papierfabriken errichtet worden, die das Vielfache des herk&ouml;mmlichen Druckmaterials zu geringeren Kosten produzierten. Eine &Auml;nderung der verwendeten Rohstoffe und Techniken lie&szlig; die Kosten noch einmal sinken.</p>
<p>Nicht nur auf der technologischen Seite fand ein Umbruch statt, die Industrialisierung stellte neue Anforderungen an die Typografie. Der Entwurf, die Gestaltung der Seite, der Satz und Druck des Werkes sollten durch einen industriellen Prozess in die Massenproduktion eingebunden werden. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Drucker jene Instanz, die den gesamten Verlauf &uuml;berwacht und gegebenenfalls korrigiert hat.</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>-----</p>
<p><sup>29</sup>&nbsp;&nbsp; &nbsp;Von Francesco Griffo &ndash; die &bdquo;Bembo&ldquo; wird im Jahr 1929 von Stanley Morrison f&uuml;r Monotype neu gezeichnet und aufgelegt.</p>
<p><sup>30</sup>&nbsp;&nbsp; &nbsp;&bdquo;Wie kommen wir Deutschen dortzu, das wir solche reuberey, schinderey unserer g&uuml;ter von dem babst leyden mussen? hat das kunigreich zu Franckreich sichs erweret, warumb lassen wir Deutschen uns alszo narren und effen?&ldquo; Aus der Schrift M. Luthers 1521: &bdquo;An den Christlichenn Adel deutscher Nation von des Christlichenn standes besserung&ldquo;.</p>
<p><sup>31</sup>&nbsp;&nbsp; &nbsp;&bdquo;Klassizismus&ldquo; in: Typographie &ndash; wann wer wie. Friedl F., Ott N., Stein B. (Hrsg.), K&ouml;nemann Verlagsgesellschaft mbH K&ouml;ln: 1998, S. 63.</p>
<p><sup>32</sup>&nbsp;&nbsp; &nbsp;&bdquo;Historismus&ldquo; in: Typographie &ndash; wann wer wie. Friedl F., Ott N., Stein B. (Hrsg.), K&ouml;nemann Verlagsgesellschaft mbH K&ouml;ln: 1998, SS. 60f.</p>
<p><sup>33</sup>&nbsp;&nbsp; &nbsp;aus: Friedl F., Ott N., Stein B. (Hrsg.), Typographie &ndash; wann wer wie, K&ouml;nemann Verlagsgesellschaft mbH K&ouml;ln: 1998, S. 56.</p>
<p><sup>34</sup>&nbsp;&nbsp; &nbsp;Vgl. Blackwell L., Schrift als Experiment. Typographie im 20. Jahrhundert. Birkh&auml;user &ndash; Verlag f&uuml;r Architektur Basel: 2004, S. 27.</p>
<p><sup>35&nbsp;</sup>&nbsp; &nbsp;Microsoft&reg; Encarta<sup>&reg;</sup> Enzyklop&auml;die Professional 2003, &copy;1993-2002 Microsoft Corporation. DVD-Ausgabe, Artikel: Setzmaschine.</p>
<p><sup>36</sup>&nbsp;&nbsp; &nbsp;w. o.</p>]]></description>
			<category>Geschichte der Schrift</category>
			<pubDate>Sun, 01 Jan 2017 10:32:01 +0000</pubDate>
		</item>
		<item>
			<title>V. XX. Jahrhundert</title>
			<link>https://www.typovia.at/index.php/typografie/geschichte-der-schrift/56-v-xx-jahrhundert</link>
			<guid isPermaLink="true">https://www.typovia.at/index.php/typografie/geschichte-der-schrift/56-v-xx-jahrhundert</guid>
			<description><![CDATA[<table border="0">
<tbody>
<tr>
<td style="width: 220px;">&nbsp;</td>
<td>
<p>&Uuml;ber eine Entwicklung der Schrift im herk&ouml;mmlichen Sinn kann man im XX. Jahrhundert nicht mehr sprechen. Die Antiqua und die Fraktur wurden in den vergangenen f&uuml;nf Jahrhunderten perfektioniert. Die Groteskschriften, die zun&auml;chst f&uuml;r Akzidenzen entstanden sind, werden diesem Prozess erst unterzogen.<br /> <br /> <span style="color: #c0c0c0; font-size: 10pt;">Mehr dazu im &bdquo;Exkurs: kurze Geschichte der Grotesk&ldquo;.</span><br /><br />In den vergangenen Jahrhunderten erfolgt die Schriftgeschichte kausal: eine Reihe an Ereignissen, Entdeckungen oder Entwicklungen bewirkt bzw. verursacht weitere Ereignisse&hellip; Seit dem XX. Jahrhundert verl&auml;uft die Schriftgeschichte eher ph&auml;nomenologisch: die auftretenden Ereignisse bzw. Str&ouml;mungen oder Richtungen beeinflussen sich zwar gegenseitig, doch sie finden h&auml;ufig parallel statt und erreichen nicht mehr so hohen Wirksamkeitsgrad wie fr&uuml;her; sie bleiben Modeerscheinungen der Zeit &ndash; Ph&auml;nomene eben.<sup> 37<br /></sup></p>
<p>Das XX. Jahrhundert nimmt zun&auml;chst den industriellen Aufschwung der &bdquo;Arts &amp; Crafts&ldquo; Epoche sowie die dekorative Ornamentik des Jugendstils auf.</p>
<p>Die Schrift selber wird einem Mode-Wandel unterzogen und an die jeweiligen Str&ouml;mungen angepasst (manchmal sogar missbraucht): sei es an die informative Sachlichkeit der Industrie, an die &bdquo;-Ismen&ldquo; (Futurismus, Dadaismus, Konstruktivismus, Expressionismus), Art Deco oder die Elementare Typografie des Bauhauses usw.</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">&nbsp;</td>
<td valign="top">
<h4 class="article">Futurismus: die Befreiung des Wortes</h4>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/marinetti_parole.png" target="_blank" class="highslide" title="Parole in libert&agrave;" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Marinetti F. T., Parole in libert&agrave; (Manifesto, 1915, 19,3 &times; 16. Mailand, Collezione Calmarini.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/marinetti_parolek.png" alt="Thumbnail image" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; vertical-align: top;" title="Marinetti, Parole in libert&agrave;" /></a> <a href="https://www.typovia.at/images/typo/carra-manifestazione-interventista.png" target="_blank" class="highslide" title="Carr&agrave; C., Manifestazione interventista, 1914." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Carr&agrave; C., Manifestazione interventista, 1914.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/carra-manifestazione-interventistak.png" alt="carr&agrave;" style="margin-top: 3px; margin-right: 3px;" title="Carr&agrave;, Manifestazione interventista" /></a></td>
<td valign="top">Diese in Italien um 1909 entstandene Bewegung ist die erste avantgardistische Str&ouml;mung des Jahrhunderts. Programmatisch nimmt sie das Wort &bdquo;futuro&ldquo; (it. Zukunft) in ihr Manifest auf, verwirft alles langsame, konservative, unmoderne, traditionsbehaftete (= passatistische) und schreibt &bdquo;Freiheit&ldquo; auf ihre Fahnen. Futurismus &ndash; verglichen mit anderen Bewegungen des beginnenden Jahrhunderts &ndash; bedient sich am h&auml;ufigsten der Typografie (Lettrismus). Interessant sind f&uuml;r die Futuristen vor allem die W&ouml;rter, w&auml;hrend die Buchstaben selbst nur f&uuml;r gestalterische und optofonetische Zwecke gebraucht werden.<sup> 38 </sup>Der literarische Inhalt bleibt meist unangetastet, doch der Akt der &bdquo;gestalterischen Befreiung&ldquo; reizt die Futuristen.
<p>Die Glyphen selbst werden in verschieden Gr&ouml;&szlig;en und Farben, in verschiedenen Stilen und Familien nebeneinander gesetzt; die mathematischen Zeichen &sbquo;+&lsquo; und &sbquo;=&lsquo; werden gebraucht, &bdquo;um gewisse Bewegungen hervorzuheben und ihre Richtung anzugeben&ldquo;. <sup>39</sup></p>
<p>Ein Aspekt sorgt bei den italienischen Futuristen f&uuml;r Kontroverse: <a href="https://www.typovia.at/images/typo/futurismus_sintesi-futurista-della-guerra.png" target="_blank" class="highslide" title="Sintesi Futurista de la Guerra" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Marinetti, Boccioni, Carr&agrave;, Russolo &amp; Piatti. Sintesi Futurista de la Guerra, 1914.'})">die Kriegsbegeisterung</a>. Dabei sollte ber&uuml;cksichtigt werden, dass die futuristischen Manifeste vor den Weltkriegen entstanden, dass die Futuristen den globalen, sinnlos vernichtenden, kampfstoffeinsetzenden Krieg noch nicht erlebt haben und diese radikalisierende &Auml;u&szlig;erung den Blick auf die gesamte Bewegung &ndash; pauschal genommen &ndash; schlicht und einfach verf&auml;lscht: &bdquo;Wir wollen den Krieg verherrlichen &ndash; diese einzige Hygiene der Welt &ndash;, den Militarismus, den Patriotismus, die Vernichtungstat der Anarchisten, die sch&ouml;nen Ideen, f&uuml;r die man stirbt, und die Verachtung des Weibes.&ldquo; (Filippo Tommaso Marinetti, Futuristisches Manifest, 1909). Marinetti wollte radikale Ver&auml;nderung der Welt und der Kunstszene &ndash; doch nicht um den Preis von Menschenleben!</p>
<p>Zu den f&uuml;hrenden Futuristen aus typografischer Sicht z&auml;hlen in Italien: Filippo Tommaso Marinetti (1876&ndash;1944), Emma Marpillero (1896&ndash;1985) und Carlo Dalmazzo Carr&agrave; (1881&ndash;1966), in Russland sind es die Mitglieder der Hyl&auml;a-Gruppe: Welimir Chlebnikow (1885&ndash;1922), Alexei Krutschonych (1886&ndash;1968) und Wladimir Majakowski (1893&ndash;1930).</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">&nbsp;</td>
<td valign="top">
<h4 class="article">Dadaismus: Anarchie und Ablehnung um jeden Preis</h4>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/dada_schwitters-doesburg_kleine_dada_soiree.png" target="_blank" class="highslide" title="Kleine dada Soir&eacute;e" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Theo van Doesburg und Kurt Schwitters, Kleine dada Soir&eacute;e, 1922'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/dada_schwitters-doesburg_kleine_dada_soireek.png" alt="Thumbnail image" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; vertical-align: top;" title="Dada: Kleine dada Soir&eacute;e" /></a> <a href="https://www.typovia.at/images/typo/dada_hannahhoech.png" target="_blank" class="highslide" title="Dada: Hannah H&ouml;ch, 1920" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Dada: Hannah H&ouml;ch, Collage, 1920.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/dada_hannahhoechk.png" alt="Thumbnail image" style="margin-top: 3px; margin-right: 3px;" title="Dada: Hannah H&ouml;ch" /></a></td>
<td valign="top">Das Versagen der abendl&auml;ndischen Kultur und ihrer gesellschaftlichen Strukturen, das sich im Ausbruch des Weltkriegs manifestiert hat, f&uuml;hrte zur Entstehung einer Protestbewegung, die grunds&auml;tzlich gegen Alles gerichtet war. Der aus der ablehnenden Haltung heraus entstandene Dadaismus definiert sich dadurch, dass er nicht definierbar sei.
<p>Ab Februar 1916 treffen sich die Gr&uuml;nder im &bdquo;Cabaret Voltaire&ldquo; in Z&uuml;rich, um die s. g. &bdquo;Dada-Soir&eacute;en&ldquo; zu veranstalten. Hier bringen sie ihre ablehnende Haltung gegen&uuml;ber der Verlogenheit der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft zum Ausdruck. Anarchie und Provokation, Individualismus und Nihilismus, Sarkasmus und Spott sind Mittel, die die Gesellschaft verunsichern, verwirren und zum Nachdenken zwingen sollen. Die herrschenden Auffassungen und Wertvorstellungen sind Illusion &ndash; der fortgeschrittene B&uuml;rger befreit sich davon und nimmt an der Erschaffung einer ehrlichen Welt teil. Die Bewegung erreicht mit ihrer revolution&auml;ren Haltung bald New York, Paris und Berlin.</p>
<p>Die Dadaisten laden die K&uuml;nstler zum Umdenken ein &ndash; so er&ouml;ffneten sie den Zugang zu neuen Sicht- und Denkweisen. Antikunst lautet die Devise. Zufall ersetzt die Planung. Die Stile werden untereinander gemischt: Literatur, Bild, Typografie, Ton und Theater werden in bruitistischen Spektakeln zusammengef&uuml;hrt. &bdquo;Selten in der Geschichte waren der inhaltliche Anspruch und die umgesetzte Form so eng zusammen und bedingten sich geradezu wie bei den Lautgedichten und akustischen Collagen, die eine neue Poesie hervorbrachten.&ldquo;<sup> 40<br /></sup></p>
<p>Typografisch bietet Dadaismus eine gewisse &Auml;sthetik und Originalit&auml;t. Durch den Bruch mit den Konventionen wirkt er erfrischend und herausfordernd: &bdquo;Die Dada-Typografie war f&uuml;r die Werbegestaltung oder Informationstypografie v&ouml;llig ungeeignet. Auf individuelle,gestalterische Versuche wirkte diese befreite und befreiende Gestaltung seit damals immer wieder sehr anregend und erneuernd. Handwerkliche Setzerregeln wurden v&ouml;llig missachtet. Es wurden unfachliche Schriftmischungen in Schr&auml;g- und Rundsatz collagiert, die Buchstaben und W&ouml;rter tanzten wie in freiheitlicher Entr&uuml;ckung &uuml;ber die Formate. So wurden Einzelbuchstaben zu Bildelementen in einer Gesamtkomposition. Gewohnte Textabl&auml;ufe wurden zugunsten optischer Bild&uuml;berlegungen zerteilt.&ldquo;<sup> 41<br /></sup></p>
<p>Ber&uuml;hmteste Vertreter des Dadaismus: Marcel Duchamp (1887&ndash;1968), Francis Picabia (1879&ndash;1953),&nbsp; Man Ray (Emmanuel Radnitzky) (1890&ndash;1976), Raoul Hausmann (1886&ndash;1971), John Heartfield (H. Franz Josef Herzfeld) (1891&ndash;1968), Hannah H&ouml;ch (1889&ndash;1978), George Grosz (1893&ndash;1959), Hans Richter (1888&ndash;1976), Viking Eggeling (Hellmuth Viking Fredrik) (1880&ndash;1925), Kurt Schwitters (1887&ndash;1948), Max Ernst (1891&ndash;1976), Hans (Jean) Arp (1886&ndash;1966)</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">&nbsp;</td>
<td valign="top">
<h4 class="article">Konstruktivismus: gegenstandslose Komposition der Geometrieformen</h4>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/konstruktivismus_lissitzky_01_1923.png" target="_blank" class="highslide" title="Для голоса (&sbquo;F&uuml;r die Stimme&lsquo;), El Lissitzky, 1923" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Konstruktivismus: El Lissitzky, Для голоса (&sbquo;F&uuml;r die Stimme&lsquo;), 1923.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/konstruktivismus_lissitzky_01_1923k.png" alt="Дла голоса" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; vertical-align: top;" title="Для голоса (&sbquo;F&uuml;r die Stimme&lsquo;), El Lissitzky, 1923" /></a> <a href="https://www.typovia.at/images/typo/konstruktivismus_joost%20schmidt_bauhaus-1923.png" target="_blank" class="highslide" title="Joost Schmidt, Poster f&uuml;r Bauhaus-Austtelung in Weimar, 1923" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Konstruktivismus: Joost Schmidt, Poster f&uuml;r Bauhaus-Austtelung in Weimar, 1923.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/konstruktivismus_joost schmidt_bauhaus-1923k.png" alt="Thumbnail image" style="margin-top: 3px; margin-right: 3px;" title="Joost Schmidt" /></a></td>
<td valign="top">Der Sieg der Revolution in Russland bedeutet vorerst das Ende der traditionellen Kunst. Neue, dem herrschenden Volk angepassten Darstellungsformen, die das Kollektiv objektiv repr&auml;sentieren,&nbsp; werden gefragt. Nicht Individualisten, sondern Kunst-Ingenieure sollen neue Form- und Ausdruckssprache f&uuml;r die Kommunisten finden. Revolution&auml;rer als bei Kasimir Malewitschs Bildern &bdquo;Schwarzes Quadrat auf wei&szlig;em Grund&ldquo; oder &bdquo;0,10&ldquo; (1913&ndash;1915) geht es nicht mehr. Gerade dieser Bruch mit der Tradition, die Radikalit&auml;t und Einfachheit erm&ouml;glichen es den Nachfolgern, mit dem Vokabular der geometrischen Formen zu experimentieren. Es entstehen B&uuml;cher, Plakate, Collagen und Illustrationen, die lediglich mit den Mitteln der konstruierenden Montage arbeiten. Spartanisch, dynamisch, manchmal gelungen und sch&ouml;n.
<p>Wie jede avantgardistische Mode des XX. Jahrhunderts verbreitet sich der Konstruktivismus in Europa. El Lissitzky verbringt vier Jahre in Deutschland, wo er auch am Bauhaus t&auml;tig ist. Die konstruktivistischen Bauhaus-Tendenzen stammen direkt aus dem Sowjet. Die Idee erreicht bald Niederlande (Mondrian und &bdquo;De Stijl&ldquo;), Polen, Jugoslawien und Tschechoslowakei.</p>
<p>F&uuml;r die Konstrukte wird auch die Typografie verwendet: einzelne Buchstaben &uuml;bernehmen h&auml;ufig gestalterische Aufgaben und werden zu Sinnbildern der Botschaft. Die Antiqua- und Frakturschriften sind f&uuml;r die Kinder der Revolution zu r&uuml;ckst&auml;ndig. Die modernen Alphabete bestehen meist nur aus Versalien, &uuml;bermitteln Kurzbotschaften in Stichworten und sind keinesfalls mengentexttauglich. Durch die Konstruktivisten ist der Weg f&uuml;r die geometrische Konstruktion der Groteskschrift geebnet.</p>
<p>Russland selbst ist nach wenigen Jahren der Begeisterung f&uuml;r den Konstruktivismus mit den reduzierten, abstrakten Aussagemitteln nicht zufrieden. Totalit&auml;re Systeme bevorzugen Nationalrealismus mit Bildern von zufriedenen und starken Menschen. Konstruktivismus wird diffamiert und sp&auml;ter sogar verboten. &Auml;hnliches Schicksal erwartet wenige Jahre sp&auml;ter die Avantgardisten im Deutschland.</p>
<p>Bedeutende Konstruktivisten: Kasimir Malewitsch (1879&ndash;1935), Piet Mondrian (1872&ndash;1944), Willi Baumeister (1889-1955), El Lissitzky (1890&ndash;1941), L&aacute;szl&oacute; Moholy-Nagy (1895&ndash;1946), Thilo Maatsch (1900-1983).</p>
</td>
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<td valign="top">&nbsp;</td>
<td valign="top">
<h4 class="article">Expressionismus: Ausdruck des verletzten Individualismus</h4>
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<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/expressionismus_kirchner_01.png" target="_blank" class="highslide" title="Programm der K&uuml;nstlergruppe Br&uuml;cke, 1906" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Ernst Ludwig Kirchner, Programm der K&uuml;nstlergruppe Br&uuml;cke, 1906, Holzschnitt auf B&uuml;tten. 15,2 &times; 7,5 cm.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/expressionismus_kirchner_01k.png" alt="Die Br&uuml;cke" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; vertical-align: top;" title="Ernst Ludwig Kirchner" /></a> <a href="https://www.typovia.at/images/typo/expressionismus_kokoschka_01.png" target="_blank" class="highslide" title="Oskar Kokoschka, Plakat." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Expressionismus: Oskar Kokoschka, Plakat.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/expressionismus_kokoschka_01k.png" alt="Oskar Kokoschka, Plakat." style="margin-top: 3px; margin-right: 3px;" title="Oskar Kokoschka, Plakat." /></a></td>
<td valign="top">Basierend auf den ausdrucksintensiven Bildern Vincent van Goghs (1853&ndash;1890) und Edvard Munchs (1863&ndash;1944) spiegelt der um 1910 entstehende Expressionismus das Lebensgef&uuml;hl einer jungen Generation, die einerseits aus den starren Rahmen der gleichg&uuml;ltigen und verlogenen Gesellschaft auszubrechen versucht, andererseits die durch die Industrialisierung und Politik verletzte individuelle Seele zum Ausdruck bringen m&ouml;chte.
<p>Das Ur-Menschliche des Afrikanischen und Ozeanischen, das die V&ouml;lkerkunde-Museen zu Beginn des Jahrhunderts f&uuml;llt, wird neu entdeckt und erforscht. Die junge Psychoanalyse Freuds bringt weitere Impulse f&uuml;r die Suche nach dem eigenen &bdquo;Ego&ldquo;. Nietzsche wird zum Ziehvater des Expressionismus erkl&auml;rt: alles wird in Frage gestellt.</p>
<p>Spontaneit&auml;t und &bdquo;das individuelle Erleben&ldquo; des Motivs sollen im (bildlichen) Ausdruck sp&uuml;rbar und nachvollziehbar sein.</p>
<p>Eines der bevorzugten Mittel des k&uuml;nstlerischen Ausdrucks der Expressionisten ist der Holzschnitt. Das Grobe an Materialien und Werkzeugen erlaubt z&uuml;giges und spontanes, ja expressives Arbeiten.</p>
<p>Die Typografie des Expressionismus ist ausdrucksstark und innovativ, &uuml;berzeugend und individualistisch; sie ist somit f&uuml;r Plakate, Buchumschl&auml;ge oder Akzidenzen gut zu gebrauchen &ndash; f&uuml;r den Satz l&auml;ngerer Texte jedoch v&ouml;llig ungeeignet. Sie bedient sich h&auml;ufig der Steinlithografie, des Linol- und des Holzschnitts.</p>
<p>Bedeutende Expressionisten: Ernst Ludwig Kirchner (1880&ndash;1938), Erich Heckel (1883&ndash;1970), Max Pechstein (1881&ndash;1955) Wassily Kandinsky (1866&ndash;1944),&nbsp; Alexej Jawlensky (1865&ndash;1941), Franz Marc (1880&ndash;1916), Oskar Kokoschka (1886&ndash;1980) Gabriele M&uuml;nter (1877&ndash;1962), Marianna Werjowkina (1860&ndash;1938).</p>
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<td valign="top">&nbsp;</td>
<td valign="top">
<h4 class="article">Art Deco: Eleganz des Ausdrucks</h4>
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<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/artdeco_cassandre_01.png" target="_blank" class="highslide" title="Cassandre: Plakat." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Art Deco: Cassandre: Plakat der Nord-Express-Bahn.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/artdeco_cassandre_01k.png" alt="Cassandre: Plakat." style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; vertical-align: top;" title="Cassandre: Plakat." /></a> <a href="https://www.typovia.at/images/typo/artdeco_cassandre_02.png" target="_blank" class="highslide" title="Cassandre: Plakat." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Art Deco: Cassandre: Plakat der translatlantischen Linie.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/artdeco_cassandre_02k.png" alt="Cassandre: Plakat." style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px;" title="Cassandre: Plakat." /></a></td>
<td valign="top">Die Grunds&auml;tze der Wiener Werkstatt, die die gewerbliche und industrielle Seite des Jugendstils um die Jahrhundertwende repr&auml;sentiert, gelten auch f&uuml;r die Gr&uuml;nder der Art Deco Bewegung: sie wollen die Welt sch&ouml;ner machen. Der Konsument wird mit der Eleganz der Form und Kostbarkeit der verwendeten Materialien angelockt.
<p>Die Gesellschaft hat Gr&uuml;nde zu feiern: der Weltkrieg ist zu Ende, die Welt ist elektrifiziert, sie swingt, jazzt und feiert aus allen R&ouml;hren.</p>
<p>&bdquo;&hellip;(der) typografische Stil ging (&hellip;) von einer Anreicherung der elementaren Formen mit Ornamenten und mit vielf&auml;ltigem Dekor. Neben dem geometrischen Ansatz geh&ouml;ren florale und figurative Motive, die in kubischen Abstraktionen verwandt wurden, zu den Hauptmotiven des Art Deco. Es entstanden modisch-zeitgeistige Chiffren, die in den Niederlanden, Frankreich, England, in der Schweiz, in den osteurop&auml;ischen L&auml;ndern und den USA zu gro&szlig;er Bl&uuml;te und Verbreitung kamen.&ldquo;<sup> 42<br /></sup></p>
<p>Die Schriften werden nicht direkt aus den geometrischen Formen konstruiert, sondern entfalten eine Wechselwirkung: von breit zu schmal oder von hell nach dunkel. H&auml;ufig wird optische T&auml;uschung in der Verspieltheit der Linien angewandt oder der Versuch unternommen, r&auml;umliche Wirkung zu erzielen. Die Lesbarkeit der Texte ist zweitrangig: was z&auml;hlt ist die Dekoration.</p>
<p>Einige Art Deco-Vertreter: K. Hlavaček (1874&ndash;1898), A. M. Cassandre (1901&ndash;1968), E. McKnight-Kauffer (1891&ndash;1954), J. Carlu (1900&ndash;1997), A. Brodovitch (1898&ndash;1971).</p>
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<td valign="top">&nbsp;</td>
<td valign="top">
<h4 class="article">Elementare Typografie: sachlich und zweckgebunden</h4>
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<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/elementare_bayer_01.png" target="_blank" class="highslide" title="Herbert Bayer: Entwurf" onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Herbert Bayer: Entwurf f&uuml;r Kleinstaben, 1925. &lt;br &gt;&lt;/a&gt;Beschriftung: &bdquo;eine neue Schrift ist nicht/nur nach einer formalen/richtung hin neu zu bauen,/sondern in der hauptsache von/der sprache herkommend/zu formen/funktionell = hier den/sprachbedingungen entsprechend/und entwer-/fend. 1. entwurf f&uuml;r kleinstaben/ziel: 1. grosstaben formal gut (besser) und systematisch zu formen./2. kleinstaben formal gut (besser) und systematisch zu formen./3. von der sprache her die schrift zu reformieren daraus ergibt sich ein neues alpha &uuml;berhaupt. sofort eine neue schrift einzuf&uuml;hren w&auml;re nat&uuml;rlich/der schnellste weg zu erfolg. jedoch wie die erfahrung zeigt sind nur kleine schritte m&ouml;glich und ein successives vorgehen. es bestehen gro&szlig;e schwierigkeiten der einf&uuml;hrung einer neuen schreibweise.&lt;br &gt;&lt;/a&gt; Bleistift und braune Tinte, z. T. besch&auml;digt, 44,3 &times; 64,4 cm rechts unten in Tinte &bdquo;bayer&ldquo; und &bdquo;Nr. 16&ldquo;.&lt;br /&gt;Quelle: Wingler H. M. (Verantw. Bauhaus-Archiv), Herbert Bayer. Das k&uuml;nstlerische Werk 1918&ndash;1938. Katalog und Ausstellung im Bauhaus-Archiv Berlin 1982, Gebr. Mann Verlag Berlin: 1982, S. 121.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/elementare_bayer_01k.png" alt="Herbert Bayer: Entwurf" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px; vertical-align: top;" title="Herbert Bayer: Entwurf" /></a> <a href="https://www.typovia.at/images/typo/elementare_tschichold.png" target="_blank" class="highslide" title="Inserat f&uuml;r &bdquo;Die Neue Typographie&ldquo; von Jan Tschichold, 1928." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Inserat f&uuml;r &bdquo;Die Neue Typographie&ldquo; von Jan Tschichold, 1928.&lt;br &gt;&lt;/a&gt; Quelle: Spencer H., Pioneers of modern Typography, The MIT Press, Cambridge, Massachusetts: 2004, S. 153.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/elementare_tschicholdk.png" alt="Inserat" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px;" title="Inserat f&uuml;r &bdquo;Die Neue Typographie&ldquo; von Jan Tschichold, 1928." /></a></td>
<td valign="top">Die sozialen und politischen &Auml;nderungen haben Kunst- und Kulturschaffende veranlasst, sachlich modernisierende oder radikale und revolution&auml;re Impulse f&uuml;r die Gesellschaft zu initiieren. Der Bruch mit der Tradition und die Suche nach neuen L&ouml;sungen kennzeichnen die Bem&uuml;hungen in der krisenger&uuml;ttelten Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.
<p>Die reduzierte Formsprache der Konstruktivisten bildet den Ausgangspunkt f&uuml;r die Neue Typografie, die nach ad&auml;quaten Ausdrucksmitteln f&uuml;r die neuen technischen M&ouml;glichkeiten forscht. Viele der K&uuml;nstler identifizieren sich mit den schon erw&auml;hnten Str&ouml;mungen, andere geh&ouml;ren dem Bauhaus an, andere sind wiederum Einzelk&auml;mpfer: Karel Teige (1900&ndash;1951), El Lissitzky (1890&ndash;1941), Marcel Breuer (1902&ndash;1981), Jan Tschichold (1902&ndash;1974) und Kurt Schwitters (1887&ndash;1948).</p>
<p>Die zweckgebundene und informative Elementare Typografie wird vor allem im Bauhaus-Umkreis entwickelt; die Lehrbeauftragten bringen nach Weimar, Dessau und sp&auml;ter nach Berlin neue Impulse aus der ganzen Welt. Ihre ganze Arbeit wird dem handwerklichen Grundsatz &bdquo;Der K&uuml;nstler ist eine Steigerung des Handwerkers&hellip;&ldquo;<sup> 43 </sup>gewidmet. Die Erzeugnisse werden auf ihre praktische Anwendung hin aber auch hinsichtlich der &Auml;sthetik, Eleganz und Wirtschaftlichkeit (der Bedarf seitens der Industrie) gepr&uuml;ft. Die Typografie wird im Rahmen der Typografie-Werkstatt unter der Leitung von Moholy-Nagy unterrichtet; in Dessau wird die Werkstatt ins Atelier f&uuml;r Grafik-Design umgewandelt.</p>
<p>Die in der ersten H&auml;lfte des XIX. Jahrhunderts entwickelte Grotesk hat sich gegen die allgegenw&auml;rtigen Antiqua und Fraktur nicht durchsetzen k&ouml;nnen. Es existieren nur wenige gut ausgebaute Grotesk-Alphabete (zu den bekanntesten geh&ouml;rt Bertholds <a href="https://www.typovia.at/images/fonts/berthold_akzidenz.gif" target="_blank" class="highslide" title="Akzidenz Grotesk aus dem Haus Berthold." onclick="return hs.expand(this)">Akzidenz Grotesk</a>).&nbsp; Nun ist die Grotesk die ideale Schriftform der Neuen Typografie sowohl in konzeptioneller als auch in formalen Hinsicht. Es entstehen neue sowohl experimentelle als auch f&uuml;r den Mengentext einsetzbare Alphabete. Erw&auml;hnenswert ist hier die richtungsweisende <a href="https://www.typovia.at/images/fonts/renner_futura.gif" class="highslide" title="Futura von Karl Renner, 1927." onclick="return hs.expand(this)">Futura</a> aus dem Jahr 1927 von Karl Renner (1878&ndash;1956), die <a href="https://www.typovia.at/images/fonts/bauersche_venushalbfett.gif" target="_blank" class="highslide" title="Venus Halbfett der Bauerschen Gie&szlig;erei in Frankfurt am Main." onclick="return hs.expand(this)">Venus</a> der Bauerschen Gie&szlig;erei, die <a href="https://www.typovia.at/images/fonts/albers_albers.gif" target="_blank" class="highslide" title="Albers von Josef Albers" onclick="return hs.expand(this)">Albers</a> von Josef Albers (1888&ndash;1976 und die <a href="https://www.typovia.at/images/fonts/bayer_bauhaus.gif" target="_blank" class="highslide" title="Bayer von Herbert Bayer" onclick="return hs.expand(this)">Bayer</a> von Herbert Bayer (1900&ndash;1985). Grotesk ist und bleibt <strong>die</strong> Schrift des XX. Jahrhunderts.</p>
<p>Weitere ber&uuml;hmte Pers&ouml;nlichkeiten des Bauhauses haben &ndash; wenn auch nur mittelbaren &ndash; Einfluss auf die Entwicklungen der Elementaren Typografie: Johannes Itten (1888&ndash;1967), Paul Klee (1879&ndash;1940), Wassily Kandinsky (1866&ndash;1944), Oskar Schlemmer (1888&ndash;1943), L&aacute;szl&oacute; Moholy-Nagy (1895&ndash;1946), Mies van der Rohe (1886&ndash;1969).</p>
</td>
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<td valign="top">&nbsp;</td>
<td valign="top">
<h4 class="article">Weitere Entwicklung bis zum II. Weltkrieg</h4>
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<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/johnston_skizze.png" target="_blank" class="highslide" title="Frank Pick beauftragt Edward Johnston 1915 mit der Entwicklung der neuen Schrift." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Frank Pick, Traffic Development Officer der Gesellschaft &bdquo;Underground Electric Railways&ldquo;, beauftragt im Jahr 1915 Edward Johnston mit der Neugestaltung des &bdquo;Bullseye&ldquo; und der Entwicklung einer neuen Schrift f&uuml;r die Gesellschaft &bdquo;London Transport&ldquo;. &lt;br &gt;&lt;/a&gt; Die linke H&auml;lfte des Schildes: Originalskizze, der rechte Teil: die Gegenwart.&lt;br &gt;&lt;/a&gt; Quelle: London Transport Museum.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/johnston_skizzek.png" alt="Skizze" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px;" title="Edward Johnston 1915: Skizze der Londoner Metro." /></a></td>
<td valign="top">Die Schrift ist &ndash; wieder einmal &ndash; ein ideales Mittel im Propagandakrieg. Das Lager der <a href="https://www.typovia.at/images/typo/weimar_1932_01.png" target="_blank" class="highslide" title="Weimarer Republik, Wahlwerbung 1932." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Weimarer Republik, Wahlwerbung 1932.'})"><span class="highslide">Nationalisten</span></a> bei den Wahlen 1932 usurpiert f&uuml;r sich selbstverst&auml;ndlich die &sbquo;deutsche&lsquo; Fraktur, jenes der <a href="https://www.typovia.at/images/typo/weimar_1932_02.png" target="_blank" class="highslide" title="Weimarer Republik, Wahlwerbung 1932." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Weimarer Republik, Wahlwerbung 1932.'})"> <span class="highslide">&bdquo;Neuerer&ldquo;</span></a> (Kommunisten, Sozialisten) verwendet mit Vorliebe die &sbquo;neuen&lsquo; Grotesk- bzw. Akzidenzschriften und die <a href="https://www.typovia.at/images/typo/weimar_1932_03.png" target="_blank" class="highslide" title="Weimarer Republik, Wahlwerbung 1932." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Weimarer Republik, Wahlwerbung 1932.'})"><span class="highslide">Konservativen</span></a> schwanken zwischen den beiden. Unbeachtet bleibt im deutschsprachigen Raum bis 1941 die &sbquo;traditionelle&lsquo; Antiqua.
<p>Immer mehr Theoretiker nehmen sich der Schrift-Themen an und untersuchen die Typografie hinsichtlich der Gesetze der Lesbarkeit, der Psychologie des Menschen, der Geschichte oder der Technologie. Zu den f&uuml;hrenden&nbsp; typografischen Gestalten des XX. Jahrhundert &ndash; die zun&auml;chst an der Seite der &bdquo;Neuen Typografie&ldquo; steht &ndash; geh&ouml;rt Jan Tschichold, der wie kein anderer die Schrift vom Handwerklichen bis zum Theoretischen meisterhaft verstanden und sein Wissen ebenso umgesetzt und weitergegeben hat.</p>
<p>Der Erfolg der deutschen Futura verbl&uuml;fft die konservative Typografie-Szene. Die englische <a href="https://www.typovia.at/images/fonts/johnston_johnston.gif" target="_blank" class="highslide" title="Johnston von Edward Johnston, 1916." onclick="return hs.expand(this)">Johnston</a>, die schon 1916 f&uuml;r die Londoner U-Bahn konzipiert worden ist, wird auf einmal popul&auml;r; der an der Entwicklung dieser Schrift beteiligte Eric Gill entwirft in den Jahren 1928&ndash;1932 die bis heute beliebte <a href="https://www.typovia.at/images/fonts/gill_gillsans.gif" target="_blank" class="highslide" title="Eric Gill: Gill Sans, 1928&ndash;1932." onclick="return hs.expand(this)">Gill Sans</a>. Harry L. Gage, der Direktor der amerikanischen Mergenthaler Linotype Company beauftragt im Jahr 1929 W. A. Dwiggins mit dem Entwurf einer neuen Gothic, die den neuen europ&auml;ischen Grotesk-Schriften ebenb&uuml;rtig sein soll: es entsteht die Metro-Familie (<a href="https://www.typovia.at/images/fonts/dwiggins_metroblack.gif" target="_blank" class="highslide" title="Metroblack" onclick="return hs.expand(this)">Metroblack</a>, <a href="https://www.typovia.at/images/fonts/dwiggins_metrolite.gif" target="_blank" class="highslide" title="Metrolite" onclick="return hs.expand(this)">Metrolite</a> und <a href="https://www.typovia.at/images/fonts/dwiggins_metromedium.gif" target="_blank" class="highslide" title="Metromedium" onclick="return hs.expand(this)">Metromedium</a>).</p>
</td>
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<td valign="top">&nbsp;</td>
<td valign="top">
<h4 class="article">Typografie auf dem Weg ins digitale Zeitalter</h4>
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<td valign="top"><a href="https://www.typovia.at/images/typo/helvetica_suisse.png" target="_blank" class="highslide" title="Helvetica von Max Miedinger, 1957." onclick="return hs.expand(this,{captionText: 'Helvetica von Max Miedinger. Beaftragt 1957 von Eduard Hoffmann, Direktor der Haas&lsquo;schen Schriftgiesserei (Haas Type Foundry), Schweiz.'})"><img src="https://www.typovia.at/images/typo/helvetica_suissek.png" alt="Helvetica" style="margin-right: 3px; margin-bottom: 3px;" title="Helvetica von Max Miedinger." /></a></td>
<td valign="top">Der II. Weltkrieg verursacht ein abruptes Ende f&uuml;r die vielf&auml;ltigen avantgardistischen Bewegungen in Europa. Jeder k&uuml;nstlerischer Fortschritt nach der Machtergreifung in Deutschland wird als kommunistisch eingestuft und verboten. Viele f&uuml;hrende Pers&ouml;nlichkeiten verlassen das Land in Richtung Schweiz oder emigrieren in die USA.
<p>Nach dem II. Weltkrieg wird die typografische Szene zunehmend international. Es entstehen Zentren der Typografie. Zun&auml;chst wird f&uuml;r lange Zeit die Schweiz zum &bdquo;Mekka der Typografie&ldquo;. Hier entsteht die &bdquo;Top 1&ldquo; der Hit-Parade der besten Schriften aller Zeiten. Die Allgegenw&auml;rtigkeit der Akzidenz Grotesk und der Venus veranlasst die D. Stempel AG zur Aufnahme der &bdquo;Neuen Haas-Grotesk&ldquo;, die 1956 von Max Miedinger (1910&ndash;1980) f&uuml;r die Haas&acute;sche Schriftgie&szlig;erei entwickelt worden ist, in das Verkaufsprogramm der Gie&szlig;erei. Ab 1960 steht die Schrift unter dem Namen Helvetica f&uuml;r die Linotype Setzmaschinen zur Verf&uuml;gung. Die hohe Verf&uuml;gbarkeit, weite Verbreitung aber auch ihre hohe Lesbarkeit und Bekanntheitsgrad der Helvetica veranlassen Adobe und Apple im Jahr 1985 diese Schrift als Grundlage der typografischen Erstausstattung f&uuml;r Desktop Publishing auszuw&auml;hlen.</p>
<p>Ein Schweizer Typograf erlangt ebenfalls weltweite Ber&uuml;hmtheit: Adrian Frutiger (1928&ndash;2015). Seine Schriften Univers, Frutiger, OCR-B und Avenir sowie seine typografischen Abhandlungen, Essays und B&uuml;cher sind f&uuml;r die Typografie des XX. Jahrhunderts wegweisend.</p>
<p>Sp&auml;ter (1980-er Jahre) kommen starke erneuernde Impulse aus den Niederlanden. Wim Crouwel (*1928) begeistert die Design-Szene mit seinen teils radikalisierenden Entw&uuml;rfen. Gerard Unger (*1942)&nbsp; entwirft zahlreiche Schriften f&uuml;r die Linotype, aber auch f&uuml;r die Amsterdamer Metro oder die Autobahn. Er unterrichtet an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam und an der University of Reading. In Den Haag unterrichtet an der Koninklijke Academie van Beeldende Kunsten in den Jahren 1960&ndash;1990 Gerrit Noordzij (*1931), der die typografische Begeisterung und sein Fachwissen an unz&auml;hlige Studenten weitergibt.&nbsp; Aus seinem Umfeld kommen: Rudy VanderLans (*1955), Martin Majoors (*1960), Albert-Jan Pool (*1960), Peter-Matthias Noordzij (*1961), Fred Smeijers (*1961), Luc de Groot (*1963), Just van Rossum (*1966), Erik van Blokland (*1967) u. a.<br /> <br />Wichtige Akzente setzen aber auch einzelne <strong>slowakische</strong> (Peter Bilak, Zuzana Ličko), <strong>britische</strong> (Neville Brody, David Quay, Freda Sack, Adrian Williams, Peter Saville, Malcolm Garrett, Jonathan Barnbrook, Rian Hughes), <strong>deutsche</strong> (Otl Aicher, Hermann Zapf, Kurt Weidemann, Hans Peter Willberg, G&uuml;nter Gerhard Lange, Erik Spiekermann, Georg Salden, Achaz Reuss, Ole Sch&auml;fer) und <strong>amerikanische</strong> (Tobias Frere-Jones, Jonathan Hoefler, Robert Slimbach, David Berlow, Roger Black, Matthew Carter, Jonathan Corum, Cyrus Highsmith, Richard Lipton, Christian Schwartz, David Carson) Typografen. Adam Twardoch errang als Spezialist und Consulter f&uuml;r Fragen zur Digitalisierung und Codierung der Schrift weltweite Bekanntheit.</p>
<p>Zu Beginn des digitalen Zeitalters in den 1980-er Jahren und kurz darauf mit der Verbreitung des World Wide Web verliert Nationalit&auml;t an Bedeutung. Alles wird der Technologie unterzogen: s&auml;mtliche Schriften m&uuml;ssen &ndash; unter Wahrung der Lizenzfragen &ndash; schleunigst digitalisiert werden. Dabei werden von f&uuml;hrenden Softwareh&auml;usern Schrifttechnologien entwickelt, die f&uuml;r die kommenden Jahre ma&szlig;geblich sind. Nach und nach werden die Unzul&auml;nglichkeiten dieser Formate offensichtlich: das f&uuml;hrt zu den oft undenkbaren Kooperationen, die jedoch in produktiven plattform-, software- und sprachkodierungs&uuml;bergreifenden Schriftformaten m&uuml;nden.</p>
<p>Typografisch werden in der Designerbranche die schreierische Originalit&auml;t und die dekorative Funktionalit&auml;t &ndash; h&auml;ufig auf Kosten der Qualit&auml;t &ndash; in den Vordergrund gestellt. Kugelschreiber-Kritzeleien, Collagen oder digitale Randomizer werden zu Messiassen der Typografie erkl&auml;rt; dabei sind sie nach wenigen Wochen schon wieder out &hellip;</p>
<p>Die Schriftenmenge, die in die Angebotsprogramme der Schrifth&auml;user aufgenommen wird, ist geradezu inflation&auml;r und nicht mehr &uuml;berschaubar. Ein typografisch geschultes Auge ist notwendig, um in der F&uuml;lle des Angebots die &ndash; immer seltener anzutreffende &ndash; Qualit&auml;t oder tats&auml;chliche Neuerung zu erkennen. Man wird das Gef&uuml;hl nicht los, alles ist schon mal da gewesen und wird dennoch endlos vervielf&auml;ltigt, kopiert und reproduziert.</p>
</td>
</tr>
</tbody>
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<p><sup>37</sup>&nbsp;&nbsp; &nbsp;Ausgeschlossen sind hier selbstverst&auml;ndlich die technologischen Errungenschaften des XX. Jahrhunderts: der experimentelle Einsatz der Fotografie in den 1920 Jahren, der optomechanische Satz in den 1970 Jahren und die Computer-Revolution rund um das Jahr 1985.</p>
<p><sup>38</sup>&nbsp;&nbsp; &nbsp;Mina Della Pergola widmet im Jahr 1919 in Rom ihre &bdquo;parole in libert&agrave;&ldquo; dem Buchstaben F.&nbsp; Im &bdquo;Il trionfo dell&rsquo;F&ldquo; (der Triumph des F) wiederholt sie den Buchstaben F so lange, bis er triumphiert (im Stil &bdquo;Sofffffooocamento | Auuffffff | trionfffo | all&rsquo;inFiniiiiiito | Fffiorentina&ldquo;). Es wird sogar ein einbuchstabiges Alphabet &uuml;berlegt, doch das w&auml;re dann doch aller Funktionalit&auml;t und Sinnhaftigkeit beraubt. Der russische Futurismus (V. Chlebnikow) unternimmt da radikalere Versuche der Spracherneuerung &hellip;</p>
<p><sup>39</sup>&nbsp;&nbsp; &nbsp;Demetz P., Worte in Freiheit. Der italienische Futurismus und die deutsche Avantgarde 1912&ndash;1934, Piper Verlag M&uuml;nchen: 1990, S. 194.</p>
<p><sup>40</sup>&nbsp;&nbsp; &nbsp;&bdquo;Dadaismus&ldquo; in: Typographie &ndash; wann wer wie. Friedl F., Ott N., Stein B. (Hrsg.), K&ouml;nemann Verlagsgesellschaft mbH K&ouml;ln: 1998, S. 51.</p>
<p><sup>41</sup>&nbsp;&nbsp; &nbsp;w. o., S. 50.</p>
<p><sup>42</sup>&nbsp;&nbsp; &nbsp;&bdquo;Art Deco&ldquo; in: Typographie &ndash; wann wer wie. Friedl F., Ott N., Stein B. (Hrsg.), K&ouml;nemann Verlagsgesellschaft mbH K&ouml;ln: 1998, S. 44.</p>
<p><sup>43</sup>&nbsp;&nbsp; &nbsp;Walter Gropius: Bauhaus-Manifest, 1918.</p>]]></description>
			<category>Geschichte der Schrift</category>
			<pubDate>Sun, 01 Jan 2017 10:32:29 +0000</pubDate>
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