Grundlagen

Einstieg in die Typografie

01. Erkenntnisse aus der Leseforschung
02. Lesbarkeit & Übersichtlichkeit
03. Definition der Text- und Stilelemente
04. Typografische Maßeinheiten auf einen Blick


art_einstiegMit einem Computer und der richtigen Software ist es heute ein Kinderspiel, selbst komplexe Dokumente in Eigenregie herzu stellen. Leider fehlt es vielen „Grafikern“ an der nötigen Fachkenntnis in Bezug auf Typografie, was den fabrizierten Schriftstücken oft anzumerken ist. Die wohl wichtigste Grundlage beim Gestalten liegt zweifellos in der Einhaltung wichtiger typografischer Regeln. In dieser Artikelserie erfahren Sie, was Sie über Typografie wissen sollten und wie Sie Ihren Dokumenten einen professionellen Touch verleihen.

Zugegeben, vor einer leeren Seite sitzen und nicht wissen, wie das jeweilige Dokument letztendlich aussehen soll, ist keine angenehme Sache. Das Problem kennt jeder, der sich schon einmal mit der Gestaltung eines Schriftstücks auseinander gesetzt hat. Vielleicht existieren einige Abbildungen, womöglich gibt es auch einen Text, eine genaue Vorstellung punkto Gestaltung fehlt je doch. Was also tun? Zuerst die Bilder platzieren und danach den Text einfügen? Oder mit dem Text beginnen und die Abbildungen nachträglich einsetzen? Keine leichte Entscheidung und ohne Grundkenntnisse kaum zu bewältigen. Dabei wäre es gar nicht so schwer, würden Sie auf typografische Regeln zurückgreifen. Sie vereinfachen nicht nur den Start, sondern gewährleisten auch mehr Effizienz beim Endergebnis. Immerhin geht es vordergründig darum, Informationen ansprechend zu verpacken und möglichst wirksam zu transportieren. Und genau das versteht man auch unter Typografie. Was etwa beim Schreiben durch Grammatik und Rechtschreibung festgelegt ist, wird bei der Gestaltung durch die Typografie geregelt. Dabei können Sie sogar auf Erfahrungen aus mehreren Jahrhunderten Buchdruck zurückgreifen, denn ursprünglich verstand sich Typografie als Handwerk und diente als Grundlage für den mechanischen Satz von Schriften. Obwohl das heute am Computer stattfindet, haben sich die Regeln und psychologischen Gesetzmäßigkeiten nur geringfügig verändert.

01. Erkenntnisse aus der Leseforschung

Bei der Gestaltung eines Dokuments sollte von Anfang an berücksichtigt werden, für welche Leserzielgruppe es bestimmt ist. So ist es etwa für Kinder oder eine ältere Zielgruppe sinnvoll, mit größeren Schriften zu arbeiten. Es gibt aber auch einige allgemeine Richtlinien - Erkenntnisse aus der Leseforschung - die in grundsätzliche Überlegungen zum Layout miteinfließen sollten:

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Der Satzspiegel bzw. die Spaltenbreite eines Textes sollte nicht viel breiter als acht Zentimeter sein. Das geht aus Untersuchungen des Wahrnehmungsfeldes beim Lesen hervor. Bei einem durchschnittlichen Leseabstand von rund 30 Zentimeter nimmt der Mensch nicht mehr als einen Bereich von ca. acht Zentimetern in der Horizontalen gut wahr (a).

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Um beim Lesen Wörter und ganze Wortgruppen aufzunehmen, macht das Auge kleine ruckartige Bewegungen. Die Fixationen der Lesesprünge liegen meist zwischen den Wörtern. Sind die Wortabstände zu gering, besteht die Gefahr, dass die Wörter beim Lesen „verschmelzen“ und schlechter erfassbar sind. Bei zu großem Wortabstand, können weniger Wörter erfasst werden (b).

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Bestimmte Schriften und Wörter werden in erster Linie durch ihre besondere Außenkontur erfasst. Verschiedene Schriften sind deshalb – je nachdem wie ausgeprägt die Wortkonturen sind – besser oder schlechter lesbar. Versalschriften können beispielsweise, in Vergleich zu einem Text mit gemischter Schreibweise, schwieriger aufgenommen werden (c).

Eine Seite, die unübersichtlich gestaltet wurde, bedeutet für den Leser eine Art Hindernislauf. Wenn die Texte, Bilder und Graphiken so angeordnet sind, dass sich der Leser erst orientieren und beispielsweise nach einem Textanschluss suchen muss, lassen Konzentrat und Leselust schnell nach. Beim Gestalten eines Dokuments spielt deshalb eine gute, überschaubare Leseführung eine wesentliche Rolle.


02. Lesbarkeit & Übersichtlichkeit

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Die Wahl der Größe der Grundschrift (auch Werk- oder Brotschrift) eines Textes ist abhängig von Format, Textmenge, der optischen Wirkung, die Sie erzielen wollen und nicht zuletzt von der Zielgruppe der Leser, die Sie erreichen möchten. So ist in Kinderbüchern – wie erwähnt – eine etwas größere Grundschrift (11 bis 14 Punkt) angebracht, als beispielsweise in einem Fachmagazin (meist 9 bis 10 Punkt).

Überschriften, Untertitel und Zwischenzeilen sollten den Text ansprechend gliedern und seine Lesbarkeit erleichtern. In der Werbung verfolgen Headlines vor allem den Zweck, Aufmerksamkeit zu erregen und einer Aussage Nachdruck zu verleihen. Deshalb sind sie meist sehr groß bzw. fett angelegt.

Für Marginalien und Fußnoten (Konsulationsgrößen) verwenden Sie eine etwas kleinere Schrift (6 bis 8 Punkt) als die Grundschrift. In jedem Fall empfiehlt es sich, bei einem Text nicht zu viele, unterschiedliche Schriftgrade einzusetzen. Sie verwirren den Leser – umso schneller verliert er das Interesse am Text. In der folgenden Übersicht finden Sie die gängigsten Schriftgrößen zur Gliederung eines Textes.

  • Schaugrößen:
    (Headlines, Untertitel, Kapitel-, Über- und Unterschriften, Zwischentitel):
    ab 18 Punkt aufwärts bis ca. 60 Punkt
  • Auszeichnungsgrößen:
    ca. 14 bis 18 Punkt
  • Lesegrößen:
    ca. 8 bis 12 Punkt
  • Konsultationsgrößen:
    ca. 6 bis 8 Punkt

03. Definition der Text- und Stilelemente

Steht der Satzspiegel fest, definieren Sie die Text- und Stilelemente – wie Schriftart und -größe der Grundschrift, Überschriften, Anmerkungen etc. – die im Dokument durchgehend Verwendung finden sollen.

Folgendes sollten Sie dabei beachten:

 
  • Der Zweck des Dokuments, die Menge des Textes und der Zeichen je Zeile, Inhalt und Leserkreis sollten bei der Wahl der Grundschrift und deren Größe berücksichtigt werden.

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  • Die Größe der verwendeten Überschriften ist eng mit der Art des Dokuments verknüpft. Auch wenn eine deutliche Gliederung, speziell in Fachbüchern, wünschenswert ist, sollten nicht zu viele Schriftgrade eingesetzt werden. Hier können Sie auch mit anderen Auszeichnungen (Kapitälchen, verschiedene Schriftschnitte etc.) helfen.

    Für die Überschriften kann natürlich auch eine andere Schrift als die Grundschrift gewählt werden. Wichtig ist auch, dass ausreichender Abstand oberhalb und unterhalb einer Überschrift besteht und klar hervor geht, zu welchem Teil diese gehört. Bei Hauptüberschriften sollten die Abstände mindestens zwei Leerzeilen über der Überschrift, eine darunter ausmachen. Je nach Art des Dokuments sind aber auch Abstände von vier bis zehn Leerzeilen durchaus keine Seltenheit. Vielfach wirkt es optisch besser, wenn Sie zur Gliederung freien Raum einsetzen, statt auf mehrere, verschiedene Schriftgrade zurückzugreifen.
 
  • Titelschriften konzipieren Sie am besten linksbündig oder mittig. Kürzere Titel können auch im Text stehen oder durch grafische Elemente zusätzlich bereichert werden (d).
 
  • Rubriktitel (auch Kolumnentitel), die Zeitschriften in redaktionelle Themen gliedern, sollten nicht zu groß und auffällig ausfallen, weil sie dann häufig den Titelschriften Konkurrenz machen und insgesamt störend auffallen.
 
  • Zwischentitel sorgen für eine bessere inhaltliche Gliederung eines Textes. Wenn sie in einem anderen Schriftstil, Schriftschnitt oder in einer anderen Farbe gesetzt werden, kann für sie der gleiche Schriftgrad gewählt werden, weil sie sich bereits optisch vom Grundtext unterscheiden. Grundsätzlich sollten Zwischentitel nur geringfügig vergrößert werden.

Fußnoten
  • Zusatzinfos und Nebenbemerkungen (zu einem Begriff, Sachverhalt etc.) werden als Fußnoten bezeichnet. Sie setzen sich aus einem Fußnotenzeichen und der eigentlichen Fußnote am unteren Seitenende, am Kapitel- oder Buchende. Als Fußnotenzeichen kann entweder ein kleines (2–3 Punkt weniger als bei Grundschrift) hochgestelltes Sonderzeichen (bei nur wenigen Fußnoten pro Seite) oder eine kleine fortlaufende Ziffer (größere Anzahl von Fußnoten) verwendet werden, die hinter dem betreffenden Wort oder Satz zu platzieren sind. Das Fußnotenzeichen wird dann noch einmal vor die eigentliche Fußnote gesetzt (Abstand möglichst nicht mehr als ein Leerzeichen). Sie können die Fußnote durch eine schmale, feinere Linie oder einen entsprechenden Abstand vom Haupttext trennen, wobei der Abstand zwischen Haupttext und Linie größer sein sollte als der zwischen Linie und Fußnote (e).

 


Marginalien
  • Randbemerkungen in einem Dokument – so genannte Marginalien – sollten bündig zum Lesetext (links stehende Marginalien rechts bündig und umgekehrt) in Flattersatz gesetzt werden. Die erste Marginalienzeile muss mit der Schriftgrundlinie der Zeile Register halten, bei den weiteren Zeilen ist das aber nicht mehr unbedingt erforderlich (f).

Bildunterschrift
  • Bildunterschriften oder Bildlegenden – der erklärende Text zu einer Abbildung – werden üblicherweise unter das Bild oder links-, bzw. rechtsbündig daneben gestellt. Sie können aber auch direkt ins Bild gesetzt werden, wobei Sie darauf achten sollten, dass die Legende noch gut lesbar ist. Bei einem sehr dunklen Bildhintergrund sollte der Bildtext in einer Kontrastfarbe, als beispielsweise in Weiß, gewählt werden. Die Schriftgröße sollte sich immer an der Grundschrift orientieren, üblicherweise ist sie ein bis zwei Punkt kleiner, sie kann aber durchaus auch etwas größer sein. Meist wird die Bildlegende im Flattersatz gesetzt, bei größeren Texten unterhalb des Bildes bietet sich auch der Blocksatz an (g).

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  • Absätze, als Informationseinheiten oder geschlossene Gedankengänge, sollten optimalerweise weder zu klein noch zu groß sein. Zu lange Absätze hemmen meist die Verständlichkeit des Textes, wenn weitere Auszeichnungselemente fehlen. Sehr kleine Absätze zerstückeln häufig die Aussage des Textes, auch das Seitenbild wirkt dadurch leicht zerrissen und unruhig.

    Der Beginn eines Absatzes sollte für den Leser deutlich erkennbar sein. Das können Sie beispielsweise mit einem Einzug in der ersten Zeile erreichen. Der Einzug darf dabei weder wie ein ungerader linker Rand aussehen (zu kleiner Einzug), noch eventuell größer als das Ende der vorhergehenden Zeile sein (Einzug zu groß).

    Auf einen Einzug sollten Sie verzichten: am Seitenanfang, nach Überschriften, Tabellen, Bildern. Hier wirkt er meist störend. Eine zweite Möglichkeit, einen Absatz herauszustellen, ist ihn linksbündig (Standardeinzug) beginnen zu lassen. Hier kann es allerdings passieren, dass der Absatzbeginn nicht erkennbar ist, wenn die vorhergehende Zeile weitgehend bis zum rechten Rand gefüllt ist. In diesem Fall sollten Sie den Absatz einen Abstand nach oben geben (Registerhaltigkeit: ein voller Zeilenabstand). Das Seitenbild wird jedoch dadurch unter Umständen zerstückelt.

    Absatzanfänge und -enden können auch durch Initiale, Symbole oder Farbe gekennzeichnet werden. Diese sollten Sie im Normalfall aber eher sparsam einsetzen (h).

Grauwert
  • Jede Textseite erscheint – aus etwas größerer Entfernung betrachtet – als graue Fläche. Dieser so genannte Grauwert einer Seite ist in erster Linie von der Schriftart, dem Schriftschnitt, der Laufweite und dem Zeilenabstand abhängig. ldealerweise sollte der Grauwert innerhalb einer Seite aber auch innerhalb eines ganzen Dokuments möglichst gleichmäßig sein. Seite bzw. Dokument wirken dadurch harmonischer und die Auszeichnungen (fett, kursiv etc.) treten deutlicher hervor. Auch ein zu heller oder zu dunkler Grauwert sollte vermieden werden. Ist das Gesamtbild der Seite zu dunkel, so können Sie es durch eine Vergrößerung des Durchschusses heller gestalten. Eine zu helle Seite kann durch Kompressen Satz dunkler gemacht werden (i).
 
  • Initialien sind Buchstaben am Anfang eines Absatzes, die größer als die Grundschrift sind und einen schmückenden Charakter besitzen. In der Art, wie sie die erste Zeile dieses Absatzes zeigt, lassen sich Initialien einfach da durch gestalten, dass Sie dem Zeichen entsprechende Zeichenattribute verleihen und einen entsprechenden Schriftgrad geben. Dabei sollte die Initiale nicht das Zeilenraster brechen, die Größe muss also entsprechend gewählt werden.
 
  • Die Satzausrichtung gibt an, wie der Text der Zeilen innerhalb der Textspalte ausgerichtet wird. Diese Ausrichtung heißt Satzausschluss. Er beeinflusst das Schriftbild eines Textes.

    Die einfachste Ausrichtung ist die linksbündige Ausrichtung mit einem so genannten Flatterrand rechts. Hierbei wird die Zeile solange aufgefüllt, bis das nächste Wort oder die nächste Silbe nicht mehr in die Zeile passt. Einige DTP-Programme erlauben beim Flattersatz (rechts oder links), einen Trennbereich anzugeben. Erreicht das Programm beim Füllen einer Zeile diesen Bereich, so versucht es das nächste Wort, das in diesen Bereich fällt und nicht mehr vollständig in die Zeile passt, zu trennen. Korrigieren Sie einen Flattersatz durch entsprechende manuelle Trennung, so dass zwar der Text immer noch nicht bündig abschließt, je doch keine extremen Längenunterschiede mehr vorhanden sind, spricht man von einem Rauhsatz. Der Flattersatz sollte nicht zu ebenmäßig sein, da dies wie ein schlecht gesetzter Blocksatz aussehen und die vorhandene Spannung nehmen würde.

    Unter Blocksatz versteht man eine Ausrichtung, bei welcher der Text sowohl links als auch rechtbündig gesetzt wird. Dazu muss in den meisten Zeilen nach dem Auffüllen der Zeile der Wort- und eventuell auch der Zeichenzwischenraum korrigiert werden. Dies kann sowohl mit positiven als auch mit negativen Zwischenraumwerten geschehen. Das Dehnen der Wortzwischenräume nennt man auch Austreiben. Der Blocksatz ist im normalen Fließtext eines Buchs oder eines Berichts ebenso wie in Zeitschriften für den Kerntext der Standard. Die akzeptable Zeilenbreite liegt hier zwischen 45 und 75 Zeichen pro Zeile.

 


04. Typografische Maßeinheiten auf einen Blick

Die lange Entwicklungsgeschichte der Typografie brachte im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl unterschiedlicher Maßeinheiten hervor. Ähnlich wie auch bei den Landeswährungen, gibt es daher verschiedene Typomaße wovon sich aber nur wenige als „Standard“ etablierten.

  • Didot
    Der Didot-Punkt hat seinen Ursprung in Frankreich und wurde im 18. Jahrhundert von der Fußlänge des damals herrschenden Königs abgeleitet. Seit 1978 entspricht ein Didot-Punkt genau 0,375 mm, zuvor waren es noch 0,376 mm. 
  • DTP-Punkt
    Der DTP-Punkt basiert auf einem amerikanischen Typomaß und entspricht dem 72-sten Teil eines Inches, bzw. rund 0,3528 mm. 
  • Pica
    Der Pica-Point ist ein englisch-amerikanisches typografisches Maß. Ein Pica hat 12 Pica-Points bzw. 4,233 mm. 6 Pica ergeben (abgerundet) ein Zoll.

Artikel „Maßeinheiten“

Goldene Regel der Typografie

Satzzeichen und Leerzeichen  •  Gedankenstriche  •  Die Anführungszeichen  •  Zeichenabstände  •  Bold und Italic  •  Unterstreichen vermeiden  • Optimaler Zeilenabstand  •  Lauftexte und Headers

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…Einfach einen Text setzen, ein Bild hinzufügen und ein wenig mit den Parametern herumspielen reicht – wie Sie wissen – nämlich nicht aus, um saubere und vor allem effektive Layouts vorweisen zu können. Damit Ihre Arbeiten künftig noch besser und schöner werden, finden Sie hier die wichtigsten Anhaltspunkte in den sogenannten Goldenen Regeln, sprich die wichtigsten Regeln der Typografie. Dabei handelt es sich oft um banale Kleinigkeiten, deren Nichtbeachtung gravierende Auswirkungen auf das Erscheinungsbild Ihrer Arbeit haben können. Sie haben sich im Laufe der Jahrhunderte herausgebildet und begründen sich auf der Leseerfahrung von Millionen und Abermillionen von Lesern. Dennoch sollten die folgenden Ratschläge als solche verstanden werden und Ihnen keinesfalls die Freude am Experimentieren nehmen!

Satzzeichen und Leerzeichen

Jedem Satzzeichen folgt ein Leerzeichen!

Der Fachbegriff für die Satzzeichen (besser: Gliederungszeichen) ist Interpunktionen. Dies ist der allgemeine Sammelbegriff für Punkt, Beistrich (das Komma), Strichpunkt (das Semikolon), Doppelpunkt (das Kolon), Bindestrich (das Divis), Gedankenstrich, Fragezeichen, Ausrufezeichen, runde Klammer (die Parenthese), eckige Klammer, Auslassungszeichen (der Apostroph) und die diversen Anführungszeichen. Das et-Zeichen (&) ist eigentlich eine Ligatur und zählt nicht zu den Interpunktionen. Auch Paragraph, Kreuz und Stern gelten als Zeichen und nicht als Interpunktionen. Jedem Satzzeichen folgt zwar ein Leerzeichen, aber es gibt Ausnahmen wie z.B. bei Bindestrich, Klammer, Apostroph und die Anführungszeichen.

Der Grund, weshalb auf Punkt, Beistrich, Strichpunkt, Doppelpunkt, Gedankenstrich, Frage- und Ausrufungszeichen ein Leerzeichen zu folgen hat, ist ebenso leicht gefunden. Wieder einmal geht es um die Lesbarkeit – um das möglichst rasche Erfassen von Zusammenhängen oder eben Nicht-Zusammenhängen. Der Superstar unter den Zeichen – das Leerzeichen – steht, im Zusammenhang mit einem Satzzeichen, für eine logisch-sinnvolle Pause und gönnt dem Auge den Bruchteil einer Sekunde etwas Erholung.

Gedankenstriche...

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Wie Sie bereits wissen, ist Querstrich in der Typografie nicht gleich Querstrich. Immer wieder passiert es, dass anstelle des Gedankenstrichs ein Bindestrich verwendet wird. Diese beiden sind keineswegs gleich. Genauer gesagt wird zwischen drei Arten des Querstriches unterschieden:

 

  • Der Binde- oder Abteilungsstrich ist der kürzeste von den dreien und wird – wie der Name schon sagt – eingesetzt, wenn ein Wort abzuteilen ist beziehungsweise mehrere Wörter miteinander verbunden sein sollen (Abb. 1).
  • Der kurze Gedankenstrich oder »endash« ist ein Halbgeviert lang und gilt als der eigentliche – allgemein bekannte Gedankenstrich. Vor und nach dem Gedankenstrich ist unbedingt ein Leerzeichen zu setzen. Dieser Gedankenstrich stellt eine kurze Pause dar oder signalisiert einen Einschub in den Text. Außerdem wird er bei der Angabe von Zeiträumen (von 1860–1996) oder auch als Bindezeichen verwendet, wenn Wegstrecken (Basel–Berlin) angegeben werden. In diesen Fällen allerdings ohne Leerzeichen.
    (Win: Alt + 0150, Mac: Alt + "-")
  • Der lange Gedankenstrich oder »emdash« ist ein Geviert lang und wird hauptsächlich im anglikanischen Raum als Gedankenstrich (für Einschübe) verwendet. Allerdings ohne Leerzeichen (weder davor, noch danach) – was sich nicht gerade positiv auf die Lesbarkeit auswirkt. Dieser Gedankenstrich wird eingesetzt, wenn eine größere Pause gewünscht wird oder z.B. Sprachlosigkeit in der direkten Rede zum Ausdruck gebracht werden soll.
    (Win: Alt + 0151; Mac: Alt + Shift + "-")

Die Anführungszeichen

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Das französische Anführungszeichen wird im Deutschen mit der Spitze zum Wort gesetzt. Die An- und Abführungszeichen stehen ohne Abstand vor beziehungsweise nach dem Wort und symbolisieren in der Regel die wörtliche Rede, während das einfache Anführungszeichen für Begriffe steht – Er sagte: »Das Wort ›Verrat‹ habe ich nie gebraucht«. Ob Sie deutsche oder französische Anführungszeichen verwenden, bleibt Ihnen überlassen. Sie müssen die einmal gewählten Zeichen allerdings im ganzen Dokument beibehalten!
(Win: Alt + 0187 / Alt + 0171 bzw. Alt + 0139 / Alt + 0155)
(Mac: Alt + Shift + "Q" / Alt + "Q" bzw. Alt + Shift + "N" / Alt + Shift + B)

 

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Die Gänsefüßchen oder deutsche Anführungszeichen werden heute kaum noch verwendet, allenfalls bei Frakturschrift, wobei sie am Anfang unten und am Ende oben stehen. Behandelt werden sie wie die anderen Anführungszeichen.
(Win: Alt+0132 unten; bzw. Alt+0147, Alt+0148)
(Mac: Alt + "ˆ" unten; bzw. Alt + "2", Alt + Shift + "2")

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Das Auslassungszeichen (der Apostroph) wird innerhalb eines Wortes ohne Zwischenraum gesetzt. Am Schluss mit etwas weniger Abstand zum nächsten Buchstaben als der übliche Zeichenabstand. Außerdem muss in Zeiten des Desk Top Publishing leider sogar auf den Unterschied zwischen dem Minutenzeichen und einem echten Apostroph hingewiesen werden.

(Win: Alt+0130 unten; bzw. Alt+0145, Alt+0146)
(Mac: Alt + "S" unten; bzw. Alt + "#", Alt + Shift + "#"

Zeichenabstände

Thumbnail imageFalls Sie einen Text versal setzen sollten, haben Sie zwei Dinge besonders zu beachten. Einerseits sollten Sie einen kleineren Schriftgrad wählen, um einen optimalen Lesefluß zu gewährleisten, andererseits sollten Sie die Zeichenabstände erhöhen, da die Buchstabenabstände eine Funktion der Buchstabeninnenräume sind.

Je kleiner die Innenräume, desto kleiner auch die Abstände. Je größer die Innenräume, desto größer die Zwischenräume. Da Versalien naturgemäß größere Buchstabeninnenräume besitzen als Kleinbuchstaben, werden bei versal gesetzten Texten die Zeichenabstände logischerweise erhöht (Abb. 2).

 

 

 

Bold und Italic

Thumbnail imageSie werden sich nun bestimmt fragen, warum Sie den Gebrauch dieser benutzerfreundlich leicht gemachten Funktionen vermeiden oder überhaupt ganz darauf verzichten sollten. Nun – diese beiden meist verwandten Schriftstile, die Sie mittlerweile in jedem Schreibprogramm vorfinden und derer Sie sich mit einem simplen Hausklick bedienen können, gelten in Typografenkreisen als die übelsten Nebenerscheinungen des Desktop Publishing. Eine Folge des im privaten Bereich immer weiter verbreiteten DTP.

Bei kleineren Schriftfamilien, die vielleicht nur einen Schriftschnitt zu bieten haben, wird – wenn Sie einen der beiden erwähnten Schriftstile anklicken – nämlich folgendes gemacht: Ihr Rechner erzeugt elektronisch einen optisch neuen Schriftschnitt, der in Wahrheit natürlich gar kein Schriftschnitt im herkömmlichen Sinne ist. Es handelt sich dabei bloß um eine elektronisch verbreiterte beziehungsweise schräggestellte Version der ursprünglichen Schrift. Bei größeren Schriftfamilien haben Sie ohnedies zumindest Bold (fette Variante) und Italic (kursive Variante) zur Auswahl. Diese wurden jedoch von einem echten Schriftenhersteller in mühevoller Feinstarbeit unter Beachtung unzähliger Faktoren produziert. Es ist also verständlich, dass die Verwendung von Computer errechneten Schriftstilen in Profikreisen als eklatanter Fehler gilt. Vor allem sind diese Fehler sogar optisch offensichtlich. So werden originale Schriftschnitte durch das Verwenden der Kursiv- oder Fettstellung oft so verändert, dass die Originalschrift völlig verfälscht wird. Bei wirklich großen Schriftfamilien wie z.B. der Garamond haben Sie sogar bis zu zehn (oder auch noch wesentlich mehr) unterschiedliche Schriftschnitte zur Auswahl (Abb. 3 und 4).

Unterstreichen vermeiden

Das Unterstreichen kann mit ruhigem Gewissen als die wohl billigste Form der Hervorhebung bezeichnet werden. Immer wieder werden Sie aber darauf angewiesen sein, innerhalb Ihres Schriftstückes zu differenzieren, d.h. ein Textstück gegenüber einem anderen hervorzuheben. Für diesen Zweck gibt es aber eine Menge wesentlich besserer Lösungen als das Unterstreichen. Die klassische Differenzierung hat ihre Gestalt in der Überschriften-Hierarchie. Traditionell werden hier die dominierenden Versalien übergeordnet gesetzt, der gemischte Satz jedoch untergeordnet. Bei Überschriftengruppen in mehreren Qualitäten gilt es, nicht nur die Schriften und Schriftgrade abzustimmen, sondern auch die Abstände zwischen und unter den Überschriftenzeilen ihrem sachlichen Gewicht und dem Charakter des Schriftstückes entsprechend anzugleichen.

Optimaler Zeilenabstand

ZeilenabstandDie Wahl des optimalen Zeilenabstands ist für ein Schriftstück von entscheidender Bedeutung. Ist der Zeilenabstand zu gering gewählt, wird dem Leser das Lesen erheblich erschwert. Die einzelnen Zeilen sind nicht mehr als solche zu erkennen, sie konkurrieren förmlich mit den benachbarten Zeilen um die Gunst des Auges. Da ein beträchtlicher Teil der Aufmerksamkeit dem bloßen Trennen und Erkennen der Zeilen gewidmet werden muss, wird einem der Leseprozess somit unerträglich gemacht. Ist der Zeilenabstand hingegen zu groß gewählt, muss der Blick zu große Sprünge zwischen den Zeilen unternehmen. Die Konzentration auf den Inhalt des Textes wird somit erheblich erschwert. In beiden Fällen wird das Ziel der perfekten Zeilenführung – sowohl innerhalb einer einzelnen Zeile als auch die gelungene Überführung zur nächstfolgende Zeile verfehlt.

 

 

 

Lauftexte und Headers

Die LesbarkeitDie Lesbarkeit eines Textes ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Aber da auch jedes Textstück ein anderes Ziel verfolgt, muss zum Beispiel beim Gestalten von Headlines einiges berücksichtigt werden. Bei einer Headline gelten nun mal andere Kriterien als beim Fließtext. Während es beim Fließtext ums möglichst rasche, störungsfreie Erfassen des Inhaltes geht, will eine Headline vor allem eines: auffallen! Serifenschriften sind für längere Fließtexte mit Sicherheit die beste Lösung, da sie den Blick aufgrund ihrer Serifen optimal durch die Zeilen führen können. Die Serifen – ein Überbleibsel des An- und Absetzens der Schreibfeder – lassen das Schriftbild ausgewogener und ruhiger erscheinen (Abb. 7).

Für Headlines gelten diese Regeln der Lesbarkeit natürlich nicht, da sie ohnedies in den seltensten Fällen über mehrere Zeilen gehen und somit schnell zu erfassen sind. Headlines sollen vor allem eines sein: plakativ! Und für diesen Zweck sind die modernen serifenlosen (Grotesk-) Schriften wie geschaffen (Abb. 8).